Barbara Weigand
 Schippacher Jungfrau und Seherin
           St. Antonius-Kirche wo Barbara Weigand fast immer die Tabernakel-Ehrenwache abhielt.
  

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  Mein Leben   Verfasst v. Barbara Weigand 51jährig.
Auf Geheiß ihres Bischofs von ihr geschrieben.

 
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  MEIN LEBEN FÜR GOTT   Verfasst v. Barbara Weigand 85jährig.
„Darum wurde ich vom Herrn aufgefordert niederzuschreiben, wie solche Ungerechtigkeiten vom lieben Gott bestraft werden“.
„Wer es fassen kann, der fasse es.“

 
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Mein Leben  
   

Von Barbara Weigand selbst aufgeschrieben im Jahre 1896 auf Geheiß ihres Bischofs.

Sie wurde geboren am 10. Dezember 1845 in Schippach.


Meine Eltern waren fleißige, brave Landleute. Mein Vater war an fünfzehn Jahre Bürgermeister und kam als solcher viel in Verkehr mit Beamten, die ihn mit in die Gesellschaft hineinzogen. Obwohl er ein guter Familienvater war, kam er dadurch auf Abwege. Er lernte das Trinken. Der liebe Gott aber ließ durch die vielen Tränen und das Gebet der Mutter aus dem Bösen Gutes entstehen, indem alle sieben Kinder, drei Knaben und vier Mädchen daraus einen entschiedenen Abscheu gegen alles Trinken faßten, und ganz von der Welt abgezogen wurden.


Barbara Weigand an der Kirchentüre St. Antonius in Schippach.

Er starb fünfundfünfzig Jahre alt, gut vorbereitet auf seinen Tod. Auf dem Sterbebett sagte er: „Ich habe meiner Frau vielen Kummer gemacht. Wenn ich nochmals beginnen könnte, würde ich anders leben.“ Meine Mutter war eine kleine, schwächliche Frau und durch den vielen Kummer schon zu Lebzeiten ihres Mannes viel ans Krankenbett gefesselt, oft sechs Wochen lang. Sieben Mal allein hatte sie die Lungenentzündung. Wir Kinder wurden frühzeitig zu harter Arbeit genötigt, um den täglichen Unterhalt zu verdienen. Ich war die zweitälteste und stärkste von allen, und geweckten Geistes, und mußte, weil meine Mutter meist krank, die ältere Schwester wenig begabt und schwächlich war, als Mutter für die übrigen sorgen, kaufen und verkaufen etc. und das Hauswesen führen, weshalb auch die anderen Kinder mich als Mutter titulierten. Daher kam dann auch meine spätere so ernste Richtung.

Bis die Zeit kam, wo ich mich zu einem Stand entscheiden sollte, betete ich viel, besonders Bußübungen, so daß ich von meinen Schwestern oft ausgelacht wurde. Das alles tat ich, um mich zu prüfen, und weinte sehr viel. Vordem war ich eitel, stolz und putzsüchtig, aber sehr fleißig und tätig Tag und Nacht. Morgens in aller Frühe ging ich in den Wald, um Holz und Streu zu sammeln für den Tag, denn vor der Feldarbeit mußte dies alles geschehen sein. Es kam aber die Zeit, wo ich mich für einen Lebensberuf entscheiden sollte. An Freiern fehlte es nicht, denn die Familie war geachtet und somit waren meine Eltern entschlossen, mich einem braven jungen Mann anzuvertrauen. Ich verlobte mich mit ihm, und das Haus für uns beide war schon gebaut. Doch schon das ganze Jahr vorher war ich so still und zurückgezogen, daß der junge Mann öfters fragte: „Wie istīs doch möglich, daß, wo andere sich so freuen, es dir gar keine Freude zu machen scheint.“ Ich hatte nämlich innerlich einen großen Kampf und stellte mir immer die zwei Fragen: Kann ich auch im Ehestand Gott so lieben und dienen, wie im jungfräulichen Stand? Dazu kam, daß ich eine fromme Jugendfreundin hatte, die selbst Jungfrau bleiben wollte. Ihre Gespräche hatten großen Einfluß auf mich. Sie sprach zuweilen so begeistert von der Liebe der heiligen Jungfrauen zu Jesus, daß ich bei mir dachte: „Ach, wenn du doch auch so leben könntest.“

So kam Maria-Himmelfahrt, und wir gingen trotz des schlechten Wetters in eine Feldkapelle, wo Muttergottes-Wallfahrt war. Da betete ich inständig zur Königin der Jungfrauen, daß ich doch den rechten Weg einschlagen möge. Da, nach der heiligen Kommunion fühlte ich zum ersten Mal die Nähe meines Gottes im heiligen Sakrament. Auf dem Heimweg sagte ich zu meiner Begleiterin, wir wollen Mariä Geburt wieder hierhergehen. Aber das schlechte Wetter vereitelte dies. Wir gingen in unsere Pfarrkirche. Auf dem Weg dorthin begegnete uns der neu angekommene Kaplan und sagte: „Wo wollt ihr hin?“ Der Geburtsort Sch. (Schippach) ist nämlich nur eine kleine Filiale der Pfarrkirche von E. (Elsenfeld). Wir antworteten ihm, daß wir beichten wollten, worauf er erwiderte: „So könnt ihr in eurer Filialkirche beichten, denn ich bin euer Kaplan.“ Derselbe scheint sich später meines inneren Kampfes erinnert zu haben. Als ich ihm bei Gelegenheit seiner Versetzung dankte für alle Mühe, die er sich um meine Bekehrung gegeben, erwiderte er: „Nein, als ich kam, da waren Sie schon bekehrt.“

Obwohl ich damals noch nicht wußte, welchen Stand ich antreten sollte, hatte ich schon das Verlangen, alle drei Wochen die heilige Kommunion zu empfangen. Von dort an fing der himmlische Gärtner an, dieses aufgewühlte Feld meines Herzens zu bearbeiten. In mir kam kein anderer Gedanke mehr auf als: „Arbeite dich aus der Welt heraus, mach dein Herz frei. Dein Herz ist unruhig, bis es ruht in Gott.“ Deshalb wurde ich oft zur Rede gestellt: „Warum bist du so traurig, so ganz anders wie andere?“, denn das Haus war schon gebaut. Mein Bräutigam klagte meiner Schwester M. seinen Verdruß, und diese schalt mich oft aus, warum ich den braven Menschen so hinhalte, ich müsse wohl verrückt geworden sein. Ich dachte aber immer bei mir: „Nein, ich kann nicht heiraten, ich will nur Gott dienen.“ Oft und oft fragte ich meinen Beichtvater um Rat. Dieser aber, der den Wankelmut eines jungen Mädchens erwog, riet mir offen, er könne mir durchaus nicht abraten. Er habe sich nach dem jungen Mann erkundigt, und er sei nur zu empfehlen. Die Kirche müsse sehr viel auf gute Mütter sehen, ohne welche es keine Priester und keine Klosterfrauen gebe.

Nun begann für mich eine Zeit furchtbaren Kampfes. Tag und Nacht konnte ich nicht mehr ruhen. Die Liebe Gottes war so stark in mir, daß ich glaubte, ich könne alle menschlichen Bande zerreißen, doch wußte ich nicht, welches der geeignete Augenblick sei. Dies dauerte ein ganzes Jahr. So kam der schöne Monat Mai und ich dachte, diesen Monat die liebe Gottesmutter recht vertrauensvoll in dieser Angelegenheit zu bestürmen. Einmal kniete ich nun vor meinem kleinen Maialtärchen, um mit meiner jüngeren Schwester die übliche Abendandacht zu verrichten. Jene war schon zu Bett gegangen, und ich kniete bis gegen Mitternacht und betete unter Strömen von Tränen, denn ich traute mir selbst nicht. Ich dachte immer, es könne auch nur weibliche Einbildung sein, die morgen wieder verwirft, was sie sich heute vornimmt. Da, auf einmal sah ich in der dunklen Nacht, aber weit entfernt von mir, die liebe Muttergottes. Ein Lichtstrahl, der von ihr ausging, traf meine Seele und es ward ruhiger in mir. In der Frühe des andern Tages kniete ich wieder im Beichtstuhl, aber nicht in meinem Geburtsort, sondern 1 ― Stunden davon entfernt in Kleinwallstadt, wo ich den Bischöflichen Geistl. Rat N., einen klugen, erfahrenen Priester, zu Rat zog. Diesem erzählte ich mein ganzes Leben und auch den Kampf in mir wegen meiner bevorstehenden Berufswahl. Dieser Herr sagte ganz entschieden: „Mein Kind, ich sehe hier an dir eine höhere Hand walten. Ich glaube nicht, daß du berufen bist, in den Ehestand zu treten. Laß den Jüngling nur noch ruhig gehen und verdopple dein Gebet! Sag auch dem Beichtvater, er solle für dich beten, und auch ich will am Altar deiner gedenken. Ich versichere dich, daß der liebe Gott dir noch ein deutlicheres Zeichen gibt, was dein Beruf ist.“

Bald darauf ging ich dann wieder beichten in meiner Dorfkirche, und brachte wie immer mein Anliegen vor, und wiederholte ihm auch die tröstlichen Worte, die mir ein alter, erfahrener Priester gesagt hatte. Nun war mein Beichtvater auf einmal wie umgewandelt. Zehn Monate schon kämpfte ich unter beständigen Tränen und Gebet. Ich legte mir allerlei Bußübungen auf, aber alles im Geheimen. Niemand wußte davon als meine gute Schwester Marie, die später Klosterfrau geworden ist. Jetzt sagte mein Beichtvater, der mir bisher immer abgeraten: „Ja, ich sehe freilich auch längst, daß der liebe Gott dich nicht im Ehestand haben will. Nur soll er dir aber auch die Kraft geben, daß du alle Hindernisse überwinden kannst. Gut, wir halten zusammen eine Andacht.“ Es war im Juni. Wir hielten vor dem Herz-Jesu-Fest eine neuntägige Andacht mit einigen Personen. Am dritten Tag schon war der Kampf gewonnen. In der Nacht vorher hatte ich nämlich einen auffallenden Traum: Ich befand mich in einer großen Kirche, die dicht mit Menschen angefüllt war, die alle sehnsüchtig der Kirchentür entgegensahen, weil sie den Einzug eines Hochzeitszuges erwarteten. Die Türen öffneten sich, und herein kam die liebe Muttergottes mit ihrem Hofstaat, der aus lauter Jungfrauen bestand. Als sie sich der Menge genähert, trat sie aus ihrer Umgebung hervor, ging bald an diese, bald an jene Bank, einer Person etwas ins Ohr flüsternd, worauf dieselben wie von einem himmlischen Glanz umgeben schienen. Ich dachte bei mir: „Dir kann sie halt nichts sagen, denn du hast doch zu weltlich gelebt“, und weinte bitterlich. Auf einmal klopfte sie mich sanft auf die Schulter und gar liebreich sah mich die liebe Muttergottes an, und sagte: „Was du tun willst, das tue bald! Du willst ein Gelübde ablegen. Tue es und du wirst noch viele Gnaden erhalten!“

Auch meine Schwester Marie, die mich immer sehr ausgezankt, daß ich dem jungen Mann so fremd bleibe, bekam ein Zeichen. Sie sah beim Morgengebet das göttliche Herz Jesu und sie verstand, daß sie mir nicht länger in den Weg treten solle. Ebenso erhielt mein Beichtvater ein Zeichen. Beim Abendgebet sah er mich plötzlich lebend vor sich, und erkannte zugleich, daß ich nicht zum Ehestand berufen sei. Am folgenden Morgen konnte ich in aller Gemütsruhe dem jungen Mann sagen, daß ich nie heiraten werde. Und das war die Gnade, die hatte gesiegt über die sinnliche Liebe. Das erste, was ich nun tat, war eine gute Generalbeichte, denn ich wollte vor allem alles aus der Wurzel ausreißen mit einer recht tiefen Beschämung. Und Gott sei mein Zeuge, daß ich mir von dort an große Mühe gab, ihm zu gefallen und alle Sünden meines vergangenen Lebens gut zu machen, wenigstens zu verbessern. Das ging aber alles nicht so glatt ab. Solang ich mit der Welt hielt, war alles recht. Jetzt aber alles umgekehrt. Meine Schwester Marie schloß sich mir an und noch einige junge Mädchen. Damals waren meine Geschwister noch alle sehr jung und klein. Aber es kam die Zeit, wo die Brüder ihre eigene Hauswirtschaft gründen wollten. Da erhob sich denn auch in der Familie der Widerspruch, und wir hatten von allen Seiten viel zu leiden.

Ich war von Jugend auf sehr zornmütig, herrschsüchtig, stolz und habsüchtig. Ich wollte um jeden Preis, daß unsere Familie nicht der Welt zum Spott werde, darum arbeitete ich lieber Tag und Nacht und trieb die anderen Geschwister an, das Gleiche zu tun. Und wirklich sagte vor einigen Jahren eine Frau zu mir, ihr Vater habe unsere Familie immer als Muster vorgestellt. Daher kommt es, daß ich immer so ängstlich bin und meine, ich könne getäuscht sein, denn ich kann nicht begreifen, wie der liebe Gott, der ein so unendlich reiner Geist ist, ein so unwürdiges Werkzeug erwählen könne, um durch dasselbe seine unendliche Liebe und Erbarmung der Welt zu offenbaren. Im Gehorsam nur schreibe ich dieses. Mögen diejenigen, denen das Recht zusteht, den Geist, der daraus spricht, prüfen, und tun, was sie für gut finden. Obwohl ich keine jener Seelen bin, die den lieben Gott vielleicht nie schwer beleidigt haben, so geht aber auch daraus hervor, wie unendlich gut der liebe Gott sein muß, und wie sehr er verlangt, alle Menschen zu retten. Weil ich merkte, mit wie vielen Ketten ich an diese Welt angeschmiedet war, suchte ich mit Eifer die Hilfsquellen auf, die das umstrickte Herz losreisen sollten, um es vom Verlangen nach dem Irdischen abzuziehen und zu himmlischen Begierden zu erheben. Ich legte mir zeitweise strenge Fasten auf. Lange Jahre versagte ich mir das Obst und das Fleisch, im Winter sogar manchmal das Brot, und aß nur Kaffee oder Suppe und Kartoffel; denn in der Nachbarschaft wohnten zwei arme Knaben, die sich mit ihrem alten, kranken Vater gar kümmerlich ernährten. Diesen brachte ich heimlich manchen Laib Brot. Ja, als der Vater gestorben war, und einer dieser braven Jungen krank wurde, versagte ich mir einen ganzen Winter lang das Brot, um die armen, verlassenen Knaben unterstützen zu können. Und als dieser starb, ließ er mich rufen, schlang seine beiden Hände um meinen Hals und rief: „Liebe Schwester, Gott vergelte es Dir, was du an uns getan. Gott segne deine ganze Familie bis hinauf ins vierte Glied, denn du hast uns vom Hungertod errettet.“

Ich war aber auch damals so geschwächt, daß ich übern Gehen einschlief. Ich mußte dieses unbedingt an mir absparen, denn meine Mutter war selbst arm und hatte zahlreiche Familie. Auch ging ich immer gern zu Kranken und Sterbenden, und manche Nacht durchwachte ich am Krankenbett, sogar in benachbarte Orte wurde ich gerufen. Einmal nun wurde ich nach Elsenfeld ins Pfarrhaus gerufen, um einer alten Tante beizustehen, die schwerkrank war. Zwei Nächte wachte ich bei ihr. Als dieselbe beerdigt wurde, zeigte mir der liebe Heiland zum ersten Mal, wie sehr er die Nächstenliebe belohne. Es war dort Sitte, daß alle Jungfrauen Sträußchen Blumen bekamen, die sie ins Grab warfen. An mich aber, obwohl ich der Sterbenden zwei Nächte geopfert hatte, dachte man nicht, man gab mir keines. Niemand lud mich ein, während andere mit ins Haus gehen durften. Dieser Undank tat mir sehr weh und ich klagte es beim Seelengottesdienst dem lieben Heiland und bat ihn, mich doch zu entschädigen. Als nun am Muttergottesaltar eine heilige Messe gelesen wurde, und der Priester bei der heiligen Wandlung die heilige Hostie emporhob, sah ich den Priester wie in einem dichten Nebel stehen bis zur Kommunion. Als der Priester aber kommunizierte, fiel ein Strahl zurück auf mich, und ich war wie vernichtet. Dort zeigte er mir zum ersten Mal, wie sehr er uns zu beglücken wünscht in der heiligen Kommunion. Ich traute mir immer nicht, darum bot ich alles auf, um das Herz vom Irdischen loszureißen und an Gott zu fesseln. Ich ließ mich in den Dritten Orden und in viele Bruderschaften aufnehmen, um gezwungen zu sein, den Gebetsgeist pflegen zu müssen, um allem unnützen Denken und Reden vorzubeugen. Als ich nun bei meinem Beichtvater, nachdem er mich ein ganzes Jahr geprüft hatte, das Gelübde der ewigen Keuschheit abgelegt hatte, machte er einmal die Bemerkung: „Fahre fort in diesem Eifer, und du wirst noch viele und große Gnaden erlangen.“

Mit jedem Jahr wuchs in mir das Verlangen, Gott eifriger dienen zu können und ihm auch Freude zu machen. Darum kannte ich keine größere Freude, als ihn in mich aufzunehmen. Zu Hause hatte ich keine Gelegenheit dazu, weil wir mitunter Priester hatten, die nicht einmal alle Sonntage Beichtleute haben wollten, und so mußte ich übers Feld gehen. So ging ich selbst im strengen Winter 1879 um Mitternacht, zum wenigsten zweimal die Woche, nach Aschaffenburg, welches von meinem Dörfchen fünf Stunden entfernt liegt. Einmal ging ich von dort heim. Ich war ganz allein und betrachtete auf dem ganzen Weg die unendliche Güte Gottes, der uns mit solcher Gnade gleichsam überschüttet. Ich fand jedoch schon wieder in mir einen Fehler vor, den ich trotz der vielen Gnaden am selben Tag begangen hatte, und weinte bitterlich vor Reueschmerz. Da war mirīs plötzlich, wie wenn mich jemand erfaßte. Ich fühlte nicht mehr, daß ich gehe, und dazwischen kam ich öfters wieder zum Bewußtsein. So kam ich eine große Strecke weiter, ohne zu wissen, wie und in viel kürzerer Zeit wie gewöhnlich. Dort hatte ich zum ersten Mal jenen geheimnisvollen Verkehr. Dies war am Dreifaltigkeitssonntag 1880. Dabei hörte ich die Worte: „Siehe, alle die Fehler, die du begangen und beweinst, will ich dir verzeihen, wenn du oft kommunizierst.“ Ich sagte dies meinem damaligen Beichtvater, und er gab mir neun Tage nacheinander die heilige Kommunion, und dann eine Zeitlang öfters. Aber das dauerte nicht lang. Alles Bitten war vergebens. Ich konnte nicht mehr erlangen, als daß ich für eine hoffärtige, eigensinnige Person erklärt wurde.

Einmal ging ich mit dem Ave-Läuten in die Kirche. Es war Fastnachtsdienstag, wo ich den lieben Heiland in etwas entschädigen wollte, und bat um die heilige Kommunion, erhielt aber wie immer eine abschlägige Antwort. Als die Leute fort waren, wandte ich mich an den lieben Heiland und sagte: „Mein lieber Jesus, du siehst, daß es an mir nicht gelegen ist. So komm, ich bitte dich, geistig zu mir.“ Dabei weinte ich mein Herz recht aus und ging nach Haus. Unter der Haustür begegnete mir ein junges Büblein und sagte: „Ich soll Sie fragen, ob Sie morgen früh nicht auf den Neuhof kommen wollen, unser Großvater ist sehr krank und verlangt nach Ihnen, weil er morgen früh versehen wird.“ Der Neuhof liegt ū Stunden von meinem Geburtsdorf, gehört aber zu einer anderen Pfarrei. Und ich ging hin. Gegen 11 Uhr kam der Bauer, der mit Pferd und Wagen den Geistlichen seiner Pfarrei geholt hatte, an, und der alte Mann beichtete, und danach rief er die Angehörigen, und auch ich trat ein, um den lieben Heiland zu begrüßen. In diesem Augenblick erfaßte mich eine solche Sehnsucht, daß ich den Priester bat, er möge mir doch ein kleines Partikelchen reichen. Der Priester fuhr ganz zusammen und nickte, verwundert mich anschauend, mit dem Haupte. Tief bewegt ob der Güte Gottes speiste er den Mann ab, und wandte sich um, und gab mir nicht ein Partikelchen, wie ich in meiner Sehnsucht verlangt, sondern eine ganze volle Hostie. Der Priester betete noch mit dem Kranken die Sterbegebete und gab ihm die letzte Ölung, dann wandte er sich zu mir und sagte: „Für Sie hat heute der liebe Gott selbst gesorgt.“ Dann fuhr er fort: „Ich weiß nicht, wie dies zuging, ich muß mich vergriffen haben. Als ich schon längere Zeit gefahren war, fiel mir plötzlich ein nachzusehen, ob ich auch die heilige Hostie nicht etwa verlieren könnte, und sah zu meinem Erstaunen, daß ich statt einer Hostie deren zwei hatte. Jetzt sehe ich aber, daß der liebe Gott dies so gefügt hat.“ Dadurch aber, daß der liebe Heiland mir so auffallende Beweise seiner Liebe zu uns gab, wurde mein Glaube von Jahr zu Jahr lebendiger. Seit meine jüngere Schwester ins Kloster gegangen war, deren einzige Freude darin bestand, die Kirche unseres Dorfes nicht nur äußerst reinlich zu halten, sondern auch mit Blumen zu schmücken und zu zieren, hatte ich diese Arbeit übernommen, und weil ich dem lieben Heiland die Freude der Vereinigung nicht gewähren konnte, suchte ich ihm auf andere Weise Freude zu machen. Alles, was ich nur erübrigen und an mir absparen konnte, verwandte ich zur Zierde unserer Kirche. Altartücher, die Statue der Muttergottes von Lourdes, sowie eine Herz-Jesu-Statue, der Kreuzweg wurden errichtet, wo ich auch mein Scherflein dazu gab. Jahre vergingen, eine Prüfung äußerer und innerer Leiden reichte der andern die Hand. Bemerken muß ich noch, daß ich all die Geldopfer, die ich dem lieben Heiland brachte, nicht ohne die Zustimmung meiner geistlichen Vorgesetzten hergab. Ich gab dazu die Anregung, wie mein Scherflein, und ging auch bei guten Leuten betteln dazu. Das Letzte, was ich anregte, war einen neuen Tabernakel für unsere Kirche zu ermöglichen. Ich schrieb nach M. (Mainz) an N. (6 - P. Alphons), nach N. an die Oberin einer meiner Schwestern und nach F. an einige reiche Damen, bei denen eine Jugendfreundin von mir in Dienst ist. Aber in M. und F. wurde ich abgewiesen, in F. sogar sehr kränkend. Die Oberin meiner Schwester dagegen schickte an das Pfarramt zu E. (Elsenfeld) 41 Mark mit der Bemerkung: „Für einen neuen Tabernakel in der Kirche zu Sch. (Schippach).“ Und als ich meine Heimat verließ, um nach N. (Mainz) zu gehen, hatte ich bereits an 200 Mark geopfert und erbettelt. Aber das alles genügte dem lieben Heiland nicht. Mit unseren armseligen Bettelpfennigen ist ihm nicht geholfen. Er verlangt, daß wir ihm die ganze Kraft unseres Willens, ja unser ganzes Herz zum Opfer bringen, denn bei all den äußeren Opfern, die wir ihm darbringen, kann unser Herz durch Hochmut ihm doch sehr mißfallen. Darum sorgte er dafür, daß der Stolz nie recht in mir aufkommen konnte. Meine Vorgesetzten, anstatt meinen Eifer zu unterstützen, taten, als ärgerte sie mein Streben. Als die Herz-Jesu-Statue ankam, stellte sie unser damaliger Kaplan auf die Stelle, wo früher der Pelikan gestanden, der jetzt zerfallen war. Alle Leute freuten sich, wenn sie beim Eintritt in die Kirche ihren Blick auf den Tabernakel richteten, denn der Anblick mußte in jedem den Gedanken erwecken: „Betrachte, o Christ, hier mein Herz, als Symbol der Liebe und hier unten (denn die linke Hand deutete auf den Tabernakel) bin ich wahrhaftig.“

Eines Sonntags kam ich nun einmal vom auswärtigen Gottesdienst heim. Wir hatten eben keinen Kaplan, und Herr Pfarrer mußte jeden Sonntag erst in die Pfarrei, dann in den Filialen Gottesdienst halten. Wer also beichten und kommunizieren wollte, mußte in eine andere Pfarrei gehen. Mein Bruder trat mir glühend vor Zorn entgegen und sagte: „Nicht eher mehr gibt es Frieden zwischen uns beiden, bis du den Kirchendienst aufgegeben hast. Glaubst du, du hängst deine Kreuzer all an die Kirche und ich steh am Sonntag in der Predigt und muß anhören, wie der Pfarrer dich vor den beiden Gemeinden als närrische Person hinstellt. Ich habe gesehen, wie sich einer gegen mich wandte und mir die Zunge zeigte.“ Meine Schwägerin war gerade so aufgebracht, denn sie waren beide in der Kirche, als ich so öffentlich beschimpft wurde und die Schadenfreude der Leute war unbeschreiblich groß. Der Herr Pfarrer sagte: „Diese Statue gehört nicht auf den Tabernakel, die Person, die sie hereingeschafft hat, soll sie nur augenblicklich weg tun. Meinetwegen kann sie dieselbe dort hinten ans Fenster stellen. Aber da bleibt sie nicht stehen, die zieht nur die Augen ab von der Monstranz.“ Der Kaplan, der die Herz-Jesu-Statue auf diese Stelle gebracht, war fort, und so gab ich dem Glöckner gute Worte, die Statue herunterzuschaffen, und lange Jahre stand die schöne Statue meines lieben Jesus in einem alten, schmutzigen Fenster, und der Anblick war für mich ein beständiger Schmerz. Aber ich ertrug meine Leiden in stiller Ergebung. Wie oft, ja wie oft wurde ich entweder in der Sakristei oder in der Kirche öffentlich beschimpft und abgewiesen, wenn ich bat um die heilige Kommunion, und dies mit sehr kränkenden Worten. Meine Schwester Maria wurde durch diesen beständigen Kampf und all die verächtlichen Reden, die wir zu hören bekamen, bewogen, ins Kloster zu gehen, denn sie sagte: „Ich glaube nicht, daß ich das mein Leben lang aushalten kann. Ich geh fort, sonst komme ich am Ende wieder auf einen anderen Weg.“

Die erste Nacht, als ich mit dem Gedanken umging, meinen Verwandten zulieb den Kirchendienst aufzugeben, wie sie es verlangten, träumte mir, daß ich die Kirche ziere. Als ich an die liebe Muttergottes kam, um sie abzustauben, sah sie ungemein alt und staubig aus, und sie blickte mich wie lebend sehr traurig an. Ich sagte zu ihr: „O liebe Mutter, was soll ich denn machen? Soll ich dem Willen meiner Verwandten folgen und den Kirchendienst aufgeben?“ Da ging von ihrem Körper ein Strom Wassers aus, der in Bächlein durch die ganz Kirche floß, und wie das Wasser abgeflossen war, war sie eine wunderschöne Frau, welche mich also anredete: „Siehst du, mein Kind, dieses sind die Wasser der Trübsale, so mußt du hindurch gehen.“ Und dabei deutete sie mit dem Finger zur Türe hinaus auf den Kirchhof, ich möge hinausgehen. Und ich sah ein Totenhaus, ganz mit Totenschädeln angefüllt, und vor jedem einzelnen brannte eine Kerze, und zugleich verstand ich innerlich, daß ich meine Trübsale für die Armen Seelen tragen solle. In der zweiten Nacht darauf träumte mir abermals, ich ziere die Kirche. Ich hatte vor mir die Statuen des heiligen Josef, der lieben Muttergottes, des heiligen Joachim und der heiligen Anna. Ich weinte bitterlich und bat sie um Hilfe, indem ich auf meinem Angesicht liegend, den heiligen Josef anflehte. Auf einmal berührte mich derselbe, als ob er lebendig sei, und bedeutete mir, ich möge aufstehen, und dann sagte er mir: „So hoch wie der Himmel soll deine Liebe sein, und so tief bis zum Staub der Erde sollst du dich verdemütigen, und du sollst geradeaus gehen und nicht rechts und nicht links schauen.“ Dabei deutete er mit der Hand hinauf zum Himmel, dann zur Erde, dann nach rechts und links, und ich erkannte, daß ich nach meinen Verwandten nichts fragen solle, sondern den Kirchendienst mit allem Fleiß weiter verrichten müsse, was ich auch tat.

In der Fronleichnamsoktav ließ ich jedes Jahr ein Engelamt halten für meine Eltern und zur Danksagung für eine große Gnade. Da bat ich nun Herrn Pfarrer auch um die heilige Kommunion. Er sagte: „Ja.“ Und so kniete ich mich vorn an die Kommunionbank. Die Kirche wurde ganz voll Leute, und alle konnten sehen, daß ich kommunizieren wollte. Als der Gottesdienst aus war, ging Herr Pfarrer in den Beichtstuhl. Vor Scham und auch innerer Sammlung sah ich mich gar nicht um. Sah also auch nicht, daß die Kirche voll Kinder kniete, die beichten wollten. Weil ich glaubte, er sitze für mich zur Beichte, ging ich gleich hin. Augenblicklich sprang der aufgebrachte Herr auf und schlug mit solcher Gewalt auf den Beichtstuhl, daß alle Kinder erschrocken zusammenfuhren und schrie: „Eine so abstrakte, eigensinnige Frömmigkeit habe ich noch nie gesehen. Packen Sie sich von meinem Beichtstuhl weg und augenblicklich.“ Ich war starr vor Schrecken und mußte mich anklammern, denn ich war ganz ohnmächtig. Dies unter den vielen Verdemütigungen nur einige, damit man erkennen kann, ob unter solchen Umständen eine Seele sich etwas einbilden kann. So kam ein Kaplan fort, ein anderer her, oder wir hatten oft jahrelang gar keinen; aber das Verlangen nach der heiligen Kommunion blieb nach wie vor. Nicht oft, aber doch einige Male, hörte ich in mir jene geheime Stimme: „Du mußt immer wieder die Vorgesetzten um die öftere Kommunion bitten, und du wirst diese Gnade noch erlangen, aber erst dann, wenn du einmal deinen Willen dem meinigen ganz unterworfen hast. Du sollst das Werkzeug sein, dessen ich mich bedienen will, um auch anderen dies Glück zu verschaffen.“

Weil ich mir nie getraute zu sagen, daß eine innere Stimme mich dazu auffordere, die heilige Kommunion öfters zu empfangen, und weil ich damals auch noch nichts wußte von einem geheimen Verkehr der Seele mit Gott, so hatte ich von einem Priester 1/2 Jahr viel zu leiden. Er sagte, das Verlangen nach der öfteren Kommunion in mir sei nichts anders als Hochmut und Eigensinn, ich sei eine aufgeblähte Person und viel weniger als die allerletzte im Dorf. Anstatt fortzulaufen, wie es viele getan hätten, blieb ich aber bei ihm, erforschte nur um so genauer alle Regungen meines Innern und beichtete um so gewissenhafter. Drei Wochen lang nahm er mir die Kommunion ganz. Und als er fortkam von uns, sagte er: „Ich habe dich die letzte Zeit hart behandelt, denn ich hatte mich getäuscht an dir. Fahre fort in deinem Streben, aber was du suchst, wirst du nie erlangen, solange die Umstände sich nicht ändern.“ Er meinte damit, solang kein anderer Pfarrer herkäme. Sein H. Nachfolger gab mir die heilige Kommunion alle Woche zweimal, bis er eines Tages kam und sagte: „Herr Pfarrer hat mir gesagt, er werde nie zugeben, daß auf den Filialen die öftere Kommunion eingeführt werde.“

Nun wußte ich doch wenigstens, daß nicht meine Sünden allein die Ursache sind. Und von jener Zeit an belästigte ich in meiner Pfarrei keinen Priester mehr und befolgte das Wort des Herrn Domkapitular Dr. Schork in Würzburg, jetzt Bischof von Bamberg, der zu mir sagte: „Fahre fort, denn das Verlangen nach der heiligen Kommunion kann nur von Gott herkommen. Wenn du sie in deiner Pfarrei nicht haben kannst, so geh hin, wo du sie kriegst.“

Einmal, als ich weniger Trost bei der heiligen Kommunion empfand wie sonst, und deswegen sehr ängstlich war, weil ich durch Spottreden, die wir oft zu hören bekamen in unserer Pfarrei, eher entmutigt, als angeeifert wurde, hatte ich nachts einen Traum: Ich sah die liebe Muttergottes auf mich zukommen und vor ihr her schwebten zwei Hostien, die so viel Strahlen auswarfen wie die Sonne. Neben mir war eine große Säule, die bis zum Himmel reichte. Die liebe Muttergottes sagte: „Siehe, das sind deine zwei heiligen Kommunionen, die du am Sonntag und Dienstag empfangen hast.“ An diesen zwei Hostien sah ich keinen Unterschied, wiewohl ich bei der einen voll Ängsten und bei der anderen voll Andacht war. Die heiligen Hostien schwebten an die Säule, und alles war verschwunden. Ich erzählte dies meinem Beichtvater, welcher mir sagte: „Dies ist ein Trost für dich, weil du so ängstlich bist wegen deiner Kommunion, damit will dich der liebe Heiland belehren, daß, wenn du einmal die Erlaubnis von deinem Beichtvater hast - denn die Säule bedeutet die heilige Kirche, und ich als dein Beichtvater hatte dir die Erlaubnis gegeben -, du nicht mehr auf das Gefühl schauen sollst; denn daß die eine Hostie glänzte wie die andere, soll dich belehren, daß es nicht auf das andächtige Gefühl ankommt, sondern auf den guten Willen.“ In demselben Jahre, als H. Pfarrer gesagt hatte, er ließe die Kommunion nicht einführen, empfang ich einmal in meiner Dorfkirche die heilige Kommunion. Als der Priester die heilige Hostie in die Hand nahm, um abzuspeisen, ging ein solcher Glanz von derselben aus, daß der ganze Chor erfüllt war, und alle, die kommunizierten, wurden von diesem Glanz erfüllt. Meine Seele fühlte ein solches Entzücken, daß meine Sinne mir schwanden, und in diesem Zustand hörte ich die Worte: „Jetzt ist die Zeit bald gekommen, wo dein Verlangen in Erfüllung gehen wird.“

Ich dachte, wahrscheinlich kommt ein Priester in unsere Pfarrei, der mir die Kommunion jetzt gibt. Aber dies kam ganz anders. Damals waren alle meine Geschwister noch unverheiratet, außer meiner älteren Schwester. Nach der Mutter Tod kamen zwei davon, ein Bruder und eine Schwester, nach N. ins Spital der Barmherzigen Schwestern. Dort war man besonders mit dem Bruder sehr zufrieden. Fünf oder sechs Jahre war er dort, und ich war überglücklich, meine Geschwister in guten Händen zu wissen. Einmal kam ich hin, da sagte mir eine jener Klosterfrauen, sie werde meinen Bruder heiraten. Bei diesem offenen Bekenntnis überfiel mich eine Ohnmacht. Alle Bemühungen, die Sache zu vereiteln, waren vergebens. Sie bat um Erlaubnis auszutreten und heiratete meinen Bruder. Was mich aber dieser Schritt, den ich mit Anstrengung all meiner Kräfte verhindern wollte, kostete, weiß nur Gott allein. Als sie einige Jahre verheiratet waren, ging ich einmal auf einige Tage hin auf Besuch. Der schöne Gottesdienst, wie er hier in Mainz gehalten wird, gefiel mir sehr, besonders aber sah ich, daß hier wirklich, was ich nicht glauben konnte, täglich die heilige Kommunion ausgeteilt wurde. Dies war für mich ein Fingerzeig Gottes. Ich wartete den Tod einer alten Tante, die auf meine Pflege angewiesen war, noch ab, dann aber sagte ich meiner Heimat Lebewohl und ging, wohin der Herr mich rief. 

Nun begann für mich ein ganz anderes Leben als seither. Hier kannte ich keinen Menschen. Welche Überwindung es mich kosten mochte, soll sich ein vernünftiger Mensch selbst vorstellen. Ich mußte mich hier den Launen einer Schwägerin unterwerfen, die zwölf Jahre Klosterfrau war und sinnliche Liebe für Gottesliebe umgetauscht hatte. Und ich wollte das Gegenteil anstreben. Deswegen war ich zu ihr gekommen. Diese beiden Gegensätze sollten beisammen leben. Nein, gerechter Gott, wenn ich betrogen sein sollte, bin ich nicht schuld. Und sollten meine Vorgesetzten dieses sicher erklären, dann habe ich doch den Trost, daß ich um Gottes willen, und um meine Seele zu retten, schon viel gelitten und gekämpft habe. Es war große Armut und Not bei meinen Verwandten, als ich hierherkam. Und sie hatten das elterliche Vermögen meines Bruders von 2.000 Mk. schon bald zugesetzt. Darum begann für mich wieder eine Zeit harten Kampfes. In meiner Heimat hatte ich doch keine Nahrungssorgen, und meinen Verwandten daselbst konnte ich viel nützen, und meine Schwägerin dort hatte mich sehr lieb gewonnen. Und hier war man mir abgeneigt, weil ich mich dieser Heirat so sehr widersetzt hatte, und auch wußte ich nicht, wie mich hier ernähren.

Einmal war nun meine Schwägerin wieder gar sehr gegen mich aufgebracht, weil sie mich gern aus dem Haus gehabt hätte. Es war der Vorabend vor Ignatius, wo ich in der Ignatius-Kirche läuten hörte, als ich die Kinder zur Ruh gebracht hatte. Ich eilte hin. Und als ich eintrat in die Kirche, hörte ich in mir eine Stimme, die sprach: „Hier will ich dich haben. Du sollst dich von jetzt an als Schutzkind des heiligen Ignatius betrachten und nicht mehr als ein Schutzkind des heiligen Antonius. Und gleich wie Ignatius sich um Christi willen den Zähnen wilder Tiere preisgab, so sollst du dich um Christi willen zerfleischen lassen durch die Zähne der Menschen.“ Von da an wußte ich nun, daß Gott mich hier haben wolle, und zwar bei meinen Verwandten. Aber wie mich ernähren? Da hörte ich wieder einmal die Stimme, die zu mir sprach: „Meine Tochter, ich will, daß du bei deinen Verwandten bleibst. Ich werde für dich sorgen, du sollst keinen Mangel leiden. Ich werde deine Verwandten segnen, daß du zu leben hast, ja im Überfluß zu leben hast.“

Nun ließ ich alles über mich ergehen. Die Kirche und die heilige Kommunion waren der Magnet, der mich beständig anzog. So verbrachte ich manchmal einen Tag von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends vor dem Allerheiligsten, wenn meine Verwandten, die meine Neigung kannten, mir hier und da mal ein Vergnügen machen wollten. So verging ein Jahr. Immer deutlicher ließ der Herr mich seine Nähe fühlen, und der Umgang mit ihm wurde immer zutraulicher. Auf geheimnisvolle Weise zeigte mir der Herr, welch tiefe Erniedrigung es für ihn ist, daß er sich täglich auf unseren Altären den Händen seiner Geschöpfe preisgibt. Und ich hörte die Worte: „Ich verlange mehr Dank und Anerkennung von meinen Dienern.“ Ein anderes Mal zeigte er mir wieder seine Freude, die ihm von denjenigen bereitet wird, die ihn würdig empfangen. Da sprach der Herr wieder: „Siehe, jetzt habe ich dir dies Glück verschafft, sorge aber auch dafür, daß es anderen ebenso zuteil werde. Gehe nach N. zu deinem Bischof und sage ihm: „Es sei mein Wille, daß die öftere Kommunion überall eingeführt und gefördert werde.“ Ich erschrak, als ich diese Stimme hörte, denn ich war froh, doch endlich einmal die beständigen Widersprüche meiner Vorgesetzten los zu sein, und für mich hatte ich ja alles erreicht, was ich mir wünschte, die tägliche heilige Kommunion, und jetzt mußte ich fürchten, wieder mein Glück verlieren zu müssen.

So verging der Monat Mai, ohne meinem Beichtvater etwas zu sagen. Als ich der letzten Maiandacht in der N.-Kirche beiwohnte, war das Allerheiligste am Muttergottesaltar ausgesetzt. Ich kniete noch dabei und betete mit der ganzen Innigkeit meiner Seele. Aber der Herr zeigte sich unwillig. Um jeden Preis wollte ich nun wissen, was die Ursache seines Unwillens über mich sei, und erfuhr, die Ursache sei die, daß ich mich so vor dem Leiden fürchte und alles so geheim hielte vor meinem Beichtvater. Eine Angst überfiel mich, daß mir eine leichte Ohnmacht kam. Von dort ging ich in die Seminarkirche, da hörte ich zum zweiten Male die Worte: „Du sollst nach N. gehen und deinem Bischof sagen, was ich verlange.“

Jetzt sagte ich es aber meinem Beichtvater. Dieser lachte mich aus. Am Fest des heiligen Antonius, 13. Juni, hörte ich nach der heiligen Kommunion wieder die Worte: „Siehe, all deinen Undank will ich vergessen, wenn du ganz über dich hinweggehst und tuest, was ich dir sage.“ Jetzt suchte ich wieder meinen Beichtvater auf, und bat ihn unter Tränen, mir doch zu erlauben und die Wege zu sagen, um zu meinem Bischof zu kommen. Dieser sagte: „Das sind Schwächen, du bist krank.“ Und schickte mich zu einem Arzt. Der Arzt sagte: „Du darfst nicht so lang beten und mußt dem Beichtvater folgen, und der Beichtvater verbot mir, ich dürfe von nun an nicht länger als in zwei heiligen Messen in der Kirche bleiben.

Nun fühlte ich bald nach diesem Verbot wieder eines Tages, wie nach der heiligen Kommunion mich diese unerklärliche Gewalt überfiel, daß es mir war, als sei ich nicht mehr Herr über mich. Aber ich sagte: „O Herr Jesus, wenn du es bist, der alle meine Sinne so fesselt, so muß ich dir heut sagen, daß ich mich mit dir nicht abgeben darf, denn mein Beichtvater verbietet mir, länger zu bleiben, als in zwei heiligen Messen, und wenn ich mich mit dir einlasse, dann vergesse ich den Gehorsam.“ Augenblicklich verließ mich die Gewalt und zog sich zurück. Mein Beichtvater kam fort, und ich zog in einer neuntägigen Andacht die liebe Muttergottes zu Rat, wen ich mir an seiner Statt wählen sollte. Die liebe Muttergottes teilte mir mit, daß ich zu (6 - P. Alphons) gehen solle. Als ich nun diesem von meinen übernatürlichen Dingen gesagt hatte, wies er mich anfangs barsch ab. Später aber befahl er mir, alles aufzuschreiben und ihm zu bringen. Dies tat ich auch mehrere Jahre hindurch, bis kurz vor dem Tod meines Bruders. Die meiste Zeit, wo ich hier in Mainz zubrachte, hatte ich viel zu leiden von meiner Schwägerin. Aber in der letzten Zeit, wo mein Bruder lebte und starb, da war es fast nicht zum durchmachen. Da war es nun, wo mein Beichtvater mir mehrmals sagte: „Hab nur keine Angst, ich sorge für dich, du brauchst aus N. (Mainz) nicht mehr wegzugehen.“ Und als ich einmal gar bitterlich bei ihm weinte, machte er wirklich Anstalten, mich irgendwo, wahrscheinlich im Stift N., unterzubringen. Dies war vor Weihnachten. Er hatte mir befohlen, eine Zeitlang nach N. zu gehen zu meinem Bruder, bis er die Sache geordnet. Da ging ich eines Tages mit meinen zwei Nichten in die N.-Kirche zur heiligen Messe. Bei der Wandlung schaute mein Geist statt der heiligen Hostie Christus, den Herrn, wie er als Mensch lebte, und er sprach zu mir: „Meine Tochter, ich will nicht, daß du aus dieser Stadt weggehst. Auch sollst du in kein anderes Haus gehen, als da, wo ich dich hingestellt habe. Ich will dir meine Absicht zu wissen tun. 

Siehe damals, als deine Schwägerin aus dem Kloster austrat, um deinen Bruder zu heiraten, hat Satan meiner sehr gespottet, weil diese Klosterfrau seinen Versuchungen nicht widerstand. Ich will ihm aber zeigen, was eine Jungfrau aushalten kann, die mich liebt. Diese Klosterfrau hatte eine fromme Jugendzeit durchlebt, und Satan brachte sie zum Fall. Dich habe ich nun an ihre Seite gestellt, denn ich will sie retten. Auch habe ich dich deswegen in eine Wirtschaft geführt, um der Welt zu zeigen, daß man mir überall dienen und mich lieben kann. Bleibe also, wo ich dich hingestellt habe. Wenn auch dein Bruder bald stirbt, so gebe ich dir die Versicherung, daß deine Schwägerin doch nicht mehr heiratet.“ Dies sagte ich meinem Beichtvater. Dieser lachte mich aus, und sagte: „Nun gut, so warte es ab, bis man dich hinausschmeißt.“

Einmal fragte ich nun den lieben Heiland, warum er mir noch gar nichts von seinem Leiden mitgeteilt, während er mir doch schon sonst so vieles zu wissen getan. Da sagte er mir: „Weil du noch nicht darauf vorbereitet bist.“ Dies war so ungefähr 1 ― Jahre vor dem Tod meines Bruders. Mein Beichtvater muß diese Worte ausgelegt haben, als wolle der liebe Heiland ihm sagen, er soll mich darauf vorbereiten. Denn lange Zeit erinnerte er mich in jeder Beichte an das Leiden Christi, aber dies half wenig, weil die Gnade noch innerlich fehlte. 

Die härtesten Prüfungen hatte ich durchzumachen hier in Mainz in den Jahren 1891 und 1892. Nicht nur von meinem damaligen Beichtvater, sondern auch von meiner Schwägerin. Im Winter 1891 glaubte man, jeder Tag sei der Todestag meines Bruders. Seine Frau, die das friedliche, sorgenfreie Leben geopfert hatte, um dieses kummervolle, sorgenschwere Eheleben einzutauschen, stand nun am Sterbebett desjenigen, der noch die einzige schwache Hoffnung ihres vermeintlichen Lebensglückes war, mit zwei Kindern von fünf und sieben Jahren. Von allen Seiten drohte man ihr, sie um die Wirtschaft zu bringen, womit sie doch ihr tägliches Brot für die Kleinen verdienen mußte. Anstatt nun meinen armen Bruder trösten zu können in seinen unsäglichen Schmerzen, machte sie ihm Vorwürfe, er sei selbst schuld an seinem frühen Tod, und er habe sie jetzt mit ihren Kindern in solches Elend gestürzt. 

Man kann sich leicht denken, wie bei solchen Zuständen sich beide gegen den mit jedem Tag näher rückenden Tod wehrten. Um keinen Preis gab er sich dem Gedanken hin, er werde sterben. In sich ganz zerfallen vor Kummer und Sorgen, Tag und Nacht von den Schmerzen der Krankheit gequält, wußten beide ihre Ungeduld und ihre Abneigung gegen mich gar nicht genug auszulassen. Es scheint, daß meine Schwägerin in jener Zeit nach dem Tod ihres Mannes an weitere Versorgung denkend, mich deswegen aus dem Haus schaffen wollte. Kurz, wenn ich morgens aus der Kirche kam, da ging das Schimpfen und Schikanieren an und hörte auf, wenn die Augen nachts vor 11 Uhr zufielen. Tränen waren mein Nachtgebet. Ich dachte immer, wenn mein Bruder in diesem Zustand stirbt, ist er unrettbar verloren, und deshalb redete ich beiden manchmal zu, ob ich denn nicht einen Priester rufen dürfe. Aber da kam meine Schwägerin ganz außer sich, und mein Bruder, um seine Frau zu beruhigen, sagte dann: „Ich gehe schon einmal in die Kirche und beichte.“

Nun wandte ich mich in meiner Angst an den heiligen Josef durch eine neuntägige Andacht und empfahl ihm die Seele meines Bruders. Und Dank dem heiligen Josef, schon am dritten Tag sagte meine Schwägerin, als ich von der Kirche heim kam: „Mein Mann will beichten. Du kannst gleich hinüber ins Pfarrhaus gehen und Herrn Kaplan rufen.“ Vorher war ich schon einmal heimlich zu Herrn Pfarrer gegangen und hatte ihm gesagt, daß mein Bruder bald sterbe nach Aussage des Arztes, denn er hatte Lungensucht, und ich bat ihn, einmal meinen Bruder zu besuchen und ihm zuzureden, was Herr Pfarrer auch tat. Er wurde aber von beiden trocken abgewiesen. Darum sollte ich jetzt Herrn Kaplan rufen. Glücklich über solche Sinnesänderung, ging ich Herrn Kaplan rufen, und so beichtete er die elf Wochen, die er noch lebte, noch viermal und starb sehr erbaulich. Er selbst sprach für sich die Sterbegebete. In jener Zeit war es, wo ich einmal in der Kapuzinerkirche den Kreuzweg betete. Bei der 5. Station konnte ich nicht mehr weiter, weil ich kein Gefühl mehr hatte. Mein Geist schien ganz versenkt ins Leiden Christi, denn die Welt war meinen Sinnen wie entschwunden. Ich sah den lieben Heiland auf mich zukommen mit einem schweren Kreuz auf dem Rücken. Neben mir blieb er stehen, und ich schaute in sein heiliges Angesicht, das mit dicken Schweißtropfen bedeckt zu sein schien. Er blickte mich liebevoll an, und sagte: „Meine Tochter, willst du mir folgen?“ Ich zögerte und dachte nach, was das bedeute. Er aber fuhr fort: „Wenn du mir dienst, wie bisher, so kommst du auch in den Himmel. Willst du mir aber Freude machen, so folge mir auf dem Weg, den ich dich jetzt führen will. Ich verlange aber dazu deine Einwilligung.“ Ich wußte gar nicht, was ich nur machen sollte. Ich fürchtete, ich könnte getäuscht sein und doch wußte meine Seele, daß dies ihr Herr und Gott sein müsse, der ihr Leiden anbieten wolle, die ihr seither nie begegnet waren. So lag ich auf der Erde ohne Gefühl, bis die Kinder meines Bruders mich aufsuchten, von 2 - 4 Uhr nachmittags. Bald darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung und jetzt sagte ich es meinem Beichtvater, welcher mir zur Antwort gab: „Ja, den Willen Gottes müssen wir tun.“ Daran erkannte ich, daß er sich doch hütete, dem Willen Gottes entgegen zu arbeiten, sonst hätte er sagen müssen: „Geh darüber hinweg, es ist Täuschung.“ Die darauf folgende Woche kam mirīs zum dritten Mal so vor. Und nun sagte ich ganz entschieden: „Herr, führe mich wie du willst, und schicke, was du willst, ich will dir folgen. Nur gib meinem unbeständigen Willen auch die Kraft, alles zu ertragen, was noch Schweres über mich ergehen soll.“

Dies war nach Neujahr 1892, und nun kam nichts Besonderes vor, so daß ich hätte denken können, dies könne ein anderes Kreuz sein, als dasjenige, welches ich bis jetzt getragen hatte. Daß mein Bruder starb und mir damit die Hoffnung auf eine weitere Existenz hier in N. (Mainz) abgeschnitten wurde, war mir kein Kreuz, weil ich sah, wie geduldig und gottergeben mein Bruder jetzt litt und starb. Und für mich hatte ich ja meine ganze Hoffnung auf Gottes Wort, das ich vor Weihnachten im Dom gehört hatte, gegründet. So vergingen bereits zwei Monate.

Am Fastnachtssonntag nun hatte ich wieder wie gewöhnlich in der N.-Kirche kommuniziert. Der Herr hatte aber an diesem Tag meine Seele so in Besitz genommen, daß ich es gar nicht merkte, wie weit die Zeit schon vorgerückt sei. Plötzlich überfiel mich eine solche Gewalt, daß ich gar nicht mehr Herr war über mich selbst. Mein ganzer Körper wurde mit solcher Gewalt geschüttelt, daß meine Glieder krachten, und ich war nicht imstande, mich auch nur im geringsten dagegen zu wehren. Dies mußte doch von Leuten gesehen worden und im Kloster bei den Patres gemeldet worden sein, denn es kamen zwei Patres und wollten mir behilflich sein, weil sie es wohl für Schwäche hielten. Sie ließen mir Kaffee und ein Gläschen Wein in die Kirche bringen, aber ich konnte vor lauter Schütteln nicht abnehmen. Und dabei sprach eine Stimme in mir: „So wie in diesen Tagen die Kinder der Welt, die doch Glieder meines Leibe sind, diese Glieder nur gebrauchen, um Satan damit zu dienen, so sollen deine Glieder zerrissen werden. Du sollst mich entschädigen, indem du mit mir leidest.“ Daraus erkannte ich aber, daß dies nichts Natürliches sein könne. Als das furchtbare Schütteln immer wiederkehrte, sobald sich diese Stimme hören ließ, wurde mirīs unheimlich, und deshalb fragte ich die beiden Patres nach meinem Beichtvater. Denn diese Herren wußten ja gar nichts von mir und kannten mich nicht. Aber mein Beichtvater ließ sich nicht sehen. Damit will ich nur den Schmerz ausdrücken, daß er sich in den drei Jahren, seitdem ich dieses Leiden an mir habe, sich nicht sehen ließ, und nach drei Jahren starb er. Dieses Leiden wiederholte sich alle Freitage der ganzen Fastenzeit und ebenso im Advent. Anmerkung: Seit Fronleichnamsfest 1895 tritt das oben gemeldete Leiden mit darauffolgender Ekstase auf an allen Vigilie der großen Feste unseres Herrn und der lieben Muttergottes (an diesen oft Schlag Mitternacht), auf die Festtage der minder großen Feste im Advent und in der Fastenzeit meist donnerstags, freitags und samstags, zur Zeit der Priesterexerzitien jeden Donnerstag und Freitag, alle Freitage des ganzen Jahres, mit Ausnahme des Monats November, auf Ewig-Gebet in der Pfarrkirche, am letzten Tag des Großen Gebetes in der Stadt, auf Portiuncula, Vigilie vom Fest der heiligen Familie, Peter und Paul, Magdalena, Clara, des heiligen Erzengels Michael, Franz von Assisi, Johannes des Evangelisten, Johannes des Täufers, St. Barbara.

Das Leiden ist charakterisiert durch einen dreimaligen auffallenden Sturm, wo der ganze Körper geschüttelt wird wie ein Baum im Wind und der Kopf von einer Seite zur andern heftig und gewaltsam hin- und hergeschleudert wird, so daß, wer es nur einmal gesehen, leicht ermessen kann, daß nach einer so gewaltigen Erschütterung des Gehirns der Mensch kaum fähig ist zu einem vernünftigen Gedanken, geschweige denn zu einer wohlgesetzten Rede, selbst wenn er ein Redner wäre. Der Erfahrung nach weiß man, daß, wenn der erste Sturm vorüber ist, die beiden anderen ganz sicher darauf folgen und unmittelbar nach dem dritten die Ekstase beginnt. Nicht eine Minute nach dem dritten Sturm hat der eben noch so sehr bewegte und gequälte Körper seinen normalen Zustand, die vollständige Ruhe und die volle Kraft der Stimme, und fängt sie sofort an, ein Loblied zu singen.

Da der dreimalige Sturm mit Pausen von 20 Minuten, oft noch länger oder auch kürzer auftritt, so hat man Zeit, jemand zu rufen, um die Worte des Herrn aufschreiben zu können. Das erste Mal, wo dieses Leiden mich in der N.-Kirche überfiel, ließ mich eine mir unbekannte, mitleidige Dame nach Hause fahren. Gott allein ist es bekannt, was ich in den drei letzten Jahren vor dem Tode von (6 - P. Alphons, + 1895) unter seiner Leitung gelitten habe an meiner Seele wegen diesem übernatürlichen Leiden. Von jener Stunde an verbot er mir die K.-Kirche (Kapuziner-Kirche). Ich durfte sie nur betreten, wenn ich beichten ging. Anstatt ein Wort der Ermunterung, konnte ich hören: „Du bist närrisch! Für was legst du dich denn langen Weges in der Kirche hin? Es ist der Teufel in dir. Pack dich aus meiner Kirche! Geh in deine Pfarrkirche, denn von allen Seiten werde ich aufgefordert, dich aus der K.-Kirche zu jagen.“ Das einzige, was mich noch aufrecht hielt, war, daß er mir den Auftrag gab, täglich zu kommunizieren.

Nun ging ich in meine Pfarrkirche. Dort ging ich aber noch keine vierzehn Tage hin, und die Pfarrkirche wurde mir von Herrn Pfarrer auch verboten. In der nächsten Bericht fragte ich wieder, wo ich denn jetzt kommunizieren solle, und er befahl mir, in die S.-Kirche zu gehen. Da ich noch nicht die Erfahrung hatte wie jetzt, wo ich doch weiß, wie sich das Leiden entwickelt, und ich deshalb zu Hause bleibe, sobald sich die Vorboten einstellen, so war ich ganz untröstlich. Ich dachte nämlich, das Leiden werde sich auch in der S.-Kirche einstellen, und ich dort auch fortgeschickt werde. Deshalb weinte ich eine ganze Nacht und beklagte mich sehr beim lieben Heiland, und sagte ihm: „O lieber Jesus, wenn ich nun dort auch noch fortgeschickt werde und ich dich auch noch lassen muß, so hab ich ja gar keinen Halt mehr.“ Nach Mitternacht hörte ich die Stimme, die mir sagte: „Steht auf und geh in die K.-Kirche, ich will für dich sorgen, daß dir nichts mehr vorkommt.“ Da dachte ich bei mir, so will ich denn der Stimme folgen, solang bis ich zu meinem Beichtvater komme und ihn fragen kann, was ich machen soll. Am folgenden Samstag sagte ich es meinem Beichtvater, und er sagte dann ganz bewegt: „Ja, ja Kind, es ist recht so, komm nur wieder in die Kirche.“ Dies alles ist jetzt leicht niederzuschreiben, denn ich brauche nicht erst Worte zu studieren, wie ich gestern im christlichen Unterrichte gehört habe, daß es Leute gibt, die ganze Bücher zusammenlügen und erdichten könnten. Auch ist es leicht zu lesen. Wer es aber liest, den bitte ich um sein Gebet, um Kraft für mich Arme, denn meine inneren Leiden hören noch nicht auf. Ich bitte aber auch alle Leser dieser Zeilen, wenn ähnliche Leiden über sie kommen sollten, abzusehen von allen Menschen und sich ganz allein an Gott anzuklammern, der das arme Herz doch zur rechten Zeit zu trösten weiß.

So verging das erste Jahr, ich durfte nichts mehr sagen, noch schreiben, und mußte diesen Geist als unecht verwerfen. Und um meinen Geist ganz seiner Leitung zu unterstellen, nahm mein Beichtvater am Dienstag in der Karwoche 1892 mir die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Als ich an jenem Tage heimkam von der Kirche, kniete ich vor einem Muttergottesbild nieder und wollte meine Danksagung verrichten. Meine Seele ward dabei in ihren Seelenbräutigam so verzückt, daß meine Verwandten mich erst nach 12 Uhr mittags fanden. Mein Kopf war auf die Spitze eines Möbels gestützt, und in meinem Gesicht waren Spuren zu sehen, daß ich hart mußte gelegen sein. Von jetzt an war ich still und sagte nichts mehr von meinen Zuständen. Aber wenn ich kommunizierte, und mußte die liebevolle Unterhaltung mit meinem lieben, guten Jesus, der das einzige Centrum meiner Seele war, entbehren und mündliche Gebete verrichten, war mein Schmerz unbeschreiblich groß. 

Einmal kniete ich nun nach der heiligen Kommunion und war voller Sehnsucht, mit dem Innigstgeliebten meines Herzens wie früher in Wirklichkeit zu verkehren. Ich hätte so gerne seinen Herzenskummer geteilt, den er mir schon sooft geklagt hatte über den Undank so vieler Menschen, die seine Liebe verachten, und so kniete ich heftig und bitterlich weinend in der K.-Kirche. So gern hätte ich seine Liebe mit Gegenliebe erwidert. Dies konnte ich jetzt nicht mehr, weil ich ja nicht mehr glauben durfte, daß er es ist, der sich würdigt, bei einer armen Sünderin seine Freude und seinen Trost zu suchen. Auf einmal sah ich aus dem Tabernakel eine Gestalt kommen. Am ersten Stuhl blieb er stehen und schaute nach mir herüber, denn ich kniete ganz an der Wand. Ich erkannte wohl den Bräutigam meiner einzigen Liebe und bat und flehte: „O Herr, komm doch näher, komm an mein Herz. Sieh, ich kann ja ohne dich nicht länger mehr leben.“ Er aber blieb stehen und blickte mich traurig an. Nun erst sah ich, daß ihm Hände und Füße gebunden waren. Ja, sein ganzer Leib schien in einem Fischernetz zu stecken. Die Erscheinung verschwand, ohne mir das Geheimnis zu erschließen, was dies eigentlich bedeute. 

So verfloß der Sommer, und ich betete wie die Kinder aus einem Buch oder andere mündliche Gebete. Aber meine Seele war unglücklich über alle Maßen. Und wenn ich meinem Beichtvater davon sagte, gab er mir zur Antwort: „Kind, du bist ganz verwöhnt. Du meinst, immer Süßigkeiten haben zu müssen. Folg mir nur schön, und du kommst gewiß in den Himmel.“ Es kam die große Gebetswoche im Juli. Als ich in meiner Pfarrkirche dem Großen Gebet beiwohnte, sah ich diese Erscheinung wieder. Aber er war näher bei mir. Heute aber bat ich inständig, der Herr möge mir doch erschließen, was dies bedeute. „Ach“, sagte ich, „mein lieber Jesus, bin ich denn schuld, daß du so gebunden bist? Nicht wahr, meine Sünden sind die Ursache? Meine Leidenschaften halten dich gebunden!“ Er aber sprach: „Dein Beichtvater hat dies getan. Ja, es ist traurig, auch da noch seinen Dienern nachstehen zu müssen, wenn ich eine Seele schon jahrelang durch meine Einsprechungen und Erleuchtungen an mich gezogen habe.“ 

Danach sagte ich einmal zu meinem Beichtvater: „Ich fühle mich unglücklich, weil ich mich beständig ängstige, ob ich auch die Gelübde halten könne. Denn ich fühlte mich beständig innerlich angetrieben, meinen Beichtvater zu bitten, daß ich ihm mitteilen dürfe, was ich in der Großen Gebetswoche erfahren hatte. Da ward er sehr ungehalten gegen mich, und sagte: „Gut, die Gelübde sind von heute an wieder aufgehoben.“ Nun war ich aber noch unruhiger: „Glaubst du denn“, schrie er mich an, du hast einen dummen Kaplan vor dir, der dir alles glaubt. Da müßt ich ja der größte Esel sein, der auf der Welt herumliefe, wenn ich die Dinge glauben wollte, die du mir erzählt. Nein, ich glaube gar nichts mehr. Kein Wort will ich mehr hören, und wenn dir dies nicht recht ist, so geh zu einem anderen Beichtvater.“ Sechs Jahre vorher hatte mir derselbe Beichtvater befohlen, unter Gehorsam, nichts zu verschweigen von meinen übernatürlichen Gnaden, ihm stets alles aufrichtig zu sagen, und weil ich im Beichtstuhl nicht alles sagen konnte, befahl er mir, es aufzuschreiben und ihm zu bringen. Und wenn es noch so schlecht geschrieben wäre, weil ich meistens bei der Nacht und im kalten Zimmer schreiben mußte, und mich deswegen entschuldigte, sagte er jedesmal beruhigend: „Kümmere dich nicht, ich kann es lesen.“

Aber welche Verdemütigungen er damit zu verbinden wußte, ist gar nicht zu beschreiben. Nur einmal ließ er mich ins Sprachzimmer kommen, und da sagte er: „Du brauchst gar nicht ängstlich zu sein, es ist der liebe Heiland. Der Herr hat das Schwache erwählt, um das Starke zu beschämen.“ Nachdem aber dieses auffallende Leiden eingetreten war, stellte sich derselbe Beichtvater ohne zu prüfen und ohne Bedenken um, und sagte, er glaube jetzt nichts mehr. Drei Jahre hatte ich dies Leiden schon, als der Beichtvater ganz plötzlich starb. Er hatte sich nichts darum gekümmert, als nur um mich damit zu demütigen. Im ersten Jahr sagte er: „Es ist der Teufel.“ Aber er tat keinen Schritt, um zu untersuchen, ob es so sei. Im zweiten Jahr sagte er: „Es ist selbstgemachtes Zeug und zuletzt, Krankheit und Hysterie.“ Es ist nicht zu beschreiben, welch innere Beängstigungen ich schon deswegen ausgestanden. War ich krank, was infolge des vielen Kummers öfters vorkam, ließ er keinen Priester an mein Bett, und durften meine Verwandten auf mein Bitten noch sooft hinschicken, weil ich gerne gebeichtet hätte. Besonders war dies einmal der Fall in der Adventszeit, wo ich mehrere Male ins Kloster schicken ließ, er aber antwortete: „Es käme keiner.“ Und doch kann ich dem lieben Gott nicht genug danken, daß er mir gerade diesen klugen, in der Seelenleitung so umsichtigen Beichtvater gegeben hat. Niemals ließ Gott zu, daß ich ihm gegrollt hätte, wenn auch manchmal ein kleiner Unwille mich überkam, so klagte ich mich sogleich darüber an.

Wenn mir ja der Gedanke kam, meinen Beichtvater zu verlassen, so wies mich der Herr immer gleich zurecht. Einmal kam mir auch der Gedanke, ich würde nichts verlieren, wenn ich mal bei einem anderen probierte. Denn so gut, wie du es jetzt hast, dachte ich, kannst du es überall haben. Doch betete ich inständig um Erleuchtung, daß, wenn es Gottes Wille nicht wäre, er mich zurechtweise. So kam der Samstag, wo mein Beichtvater am Muttergottesaltar die heilige Messe las, welcher ich beiwohnte. Bei der heiligen Wandlung ging ein solcher Glanz von der heiligen Hostie aus, daß mein Beichtvater ganz von diesem Glanz umgeben war, er stand ganz in dem Glanz. Das war für mich das Zeichen, daß er nicht unrecht an mir gehandelt, sondern, daß seine Seele ganz in Ordnung sei und ich staunte. Und bei der heiligen Kommunion, als er kommunizierte, sah ich den lieben Heiland statt der heiligen Hostie, und ein Glanz ging von ihm aus, und ein Strahl davon traf auch mich, der mich so anzog, daß er mich gleichsam durch den Priester, durch N., in sich zog und wir alle drei in ihm verschmolzen. Das war dann für mich das Zeichen, daß ich durch ihn muß geleitet sein.

Ein anderes Mal, nachdem ich viel von ihm ausgehalten, war ich wieder in der Kirche, als er seine heilige Messe las. Bei der heiligen Opferung opferte ich mich mit dem Priester auf, und wie ich dies so tun wollte, da erhob sich zwischen dem Altar und mir eine dunkle Wolke wie ungefähr, wenn der Nebel vor die Sonne tritt und sie verfinstert. Ich erschrak, weil ich meinte, ich sei im Stande der Ungnade. Diese Erscheinung dauerte bis nach der Kommunion ... Ich bat lange darum, der Herr möge mir doch erklären, was das bedeute. Und der Herr sagte, er wolle mir nur sein Mißfallen daran zeigen, daß mein Beichtvater mich so ganz ohne Schutz und Hilfe lasse und er deshalb auch nicht teilnehme an den Gnaden, die er mir gebe. Ein anderes Mal war mir geraten worden, ihn zu verlassen, weil man sagte, es wäre besser, wenn ich in den übernatürlichen Dingen eine Leitung hätte. Mein Inneres aber sagte mir: „Bleibe!“ Während der heiligen Messe auf Portiuncula sah ich eine ganze Schar verschiedenen Geschlechtes. Sie zogen in Prozession an mir vorbei und jedes hatte ein prächtiges Blumenbukett in der Hand von den verschiedensten Blumen. In der Mitte lag ein Zettel darauf, auf welchem der Name meines Beichtvaters stand. „Durch N.N.“ und es wurde mir bedeutet, daß sie durch ihn die ewige Seligkeit erlangt. Und daraufhin entschloß ich mich wieder zu bleiben. Der liebe Gott ließ es nicht zu, daß mein Beichtvater starb, bevor er seine Meinung ausgesprochen hatte. Einige Monate vor seinem Tod ließ er mich ins Sprachzimmer kommen und sagte: „Nun habe ich dich lang genug geprüft, jetzt istīs genug. Wenn du etwas hast, so sag mirīs. Aber laufe nicht mehr sonst herum. Und mit dem Übernatürlichen, das kann ich halt auch nicht wissen.“ Von dort an war er nicht mehr so abstoßend, und als ich im Advent wieder krank war, kam er selbst und hörte mich Beichte, wie mir eine innere Stimme einige Zeit vorher schon gesagt hatte.

Nun frage ich, kann sich der Mensch bei all seinem guten Willen in seinem heiligen Glauben so täuschen? Die heilige Kirche lehrt, daß niemand sagen kann „Herr Jesus“, außer im heiligen Geist. Und der heilige Paulus sagt: „Prüfet die Geister, was gut ist, behaltet.“ Was mich in allen Leiden aufrecht hielt, war, daß ich sah, wie mich der liebe Gott gleichsam an der Hand führte, all die Worte und Verheißungen in Erfüllung gehen ließ, die er mir gegeben, und die ich mit Augen sehen und mit Händen greifen konnte. Ich habe schon oben gesagt, daß er mich zu Haus schon jahrelang aufforderte, um die öftere Kommunion zu bitten, und in den letzten Jahren dazusetzte: Daß ich diese Gnade noch erlangen werde, aber nur erst dann, wenn ich einmal meinen Willen seinem göttlichen Willen ganz unterworfen haben werde. Damals war noch keines meiner Geschwister in einer Stadt verheiratet. Sehen wir nun, wie er seinen Willen durchführte. Er ließ meine geistlichen Vorgesetzten in meiner Heimat, die seinen Willen nicht anerkannten, zwar in Ruhe, aber sie sollten doch fühlen, daß er der Herr über all seine Geschöpfe ist. Es gibt in der Welt keinen Zufall. Darum ließ er es zu, daß es gerade mein Bruder sein mußte, der diese Klosterfrau heiratete und mit dieser noch eine andere austrat. Weil er damit zeigen will, daß man überall lau und gleichgültig ihm dienen kann, wenn wir uns nicht bestreben, unsere bösen Neigungen zu bekämpfen. Meine Vorgesetzten, die die Berufenen sein sollten, seinem göttlichen Willen entgegen zu kommen, ließ er ruhig stehen und bahnte mir einen anderen Weg, um mir dann die versprochene Gnade zuwenden zu können. Ferner, wenn das Leiden nicht ein Fingerzeig sein soll, daß die Stimme, die in mir spricht, seine Stimme sei, warum ließ er dann voriges Jahr meine Schwägerin in Augsburg gerade vor Fastnacht sterben, wo ich zur Beerdigung hinreiste, und dann die ganze heilige Fastenzeit ein wahres Schauspiel aufführen mußte, indem ich wegen Krankheit verhindert war zurückzureisen und alle Donnerstage und Freitage dies Leiden vor den Augen so vieler Menschen eintrat.

Auf dem Land ist es nicht wie in der Stadt. Hier erfährt es kein Mensch. Nicht einmal die Hausleute wissen es. Ist es also zu leugnen, daß er sein Wort bekräftigen wollte, das er im ersten Jahr hier in N. zu mir sprach: „Geh nach N. zu deinem Bischof und sag ihm, daß ich die Einführung der öfteren Kommunion verlange, auch auf dem Land.“ Eben durch diesen Zwischenfall kam es in die Diözese N. Als mir gesagt wurde, daß ich mich von jetzt an als Schutzkind des heiligen Ignatius betrachten solle, war es sehr fraglich, ob mein Bruder, der damals die Bierwirtschaft in der Straße N. hatte, immer in der Pfarrei bleiben werde. Denn er war nur Pächter und konnte als solcher alle sechs Monate in ein anderes Stadtviertel versetzt werden. Darum kann nur Gott es sein. Er allein weiß unsere Wege zu leiten. Und es hat den Anschein, als ob ich wirklich in dieser Pfarrei bleiben werde, denn das Lokal kann jetzt nicht mehr unserem Pachtherrn gekündigt werden, weil er selbst das Haus angekauft hat, und jetzt sind wir schon elf Jahre da. Ferner sagte mir jene Stimme: „Bleibe, wo ich dich hingestellt habe. Ich will deine Verwandten segnen, daß du im Überfluß sollst zu leben haben.“

Wollte man dann behaupten, so was könne man sich einbilden. Ja, einbilden können sichīs die Menschen, aber ausführen kannīs nur der liebe Gott. Und er hat es ausgeführt. Denn während meine Schwägerin im ersten Jahr vor der Verheißung 700 Mark zusetzen mußte, konnte sie im folgenden Jahr schon 500 Mark auf die Sparkasse tragen und jährlich mehr.

Die Stimme, die in mir spricht, sagte ferner: „Deine Schwägerin heiratet nie mehr. Bleibe bei ihr, denn ich will sie retten und der Welt zeigen, was eine Seele erträgt, die mich liebt.“ Wie hat sich dieses bewährt! Mein Beichtvater sagte einige Male in der Zeit, wo sie noch so sehr gegen mich war, „sie heiratet wieder, du wirst sehen.“ Mehr als zehn bis fünfzehn Freier waren schon da, natürlich jetzt ist Ruh, weil jedermann ihren entschiedenen Charakter kennt. Ja, einbilden könne wirīs uns, aber ausführen kannīs nur der liebe Gott. Als mein Bruder an der Influenza erkrankte, sah ich in der Ignatius-Kirche bei der heiligen Wandlung, wie ein Engel etwas in den Kelch hineinlegte. Ich fragte den lieben Heiland, was dies zu bedeuten habe und erfuhr, es sei das Opfer des Lebens meines Bruders, und es ging in Erfüllung zwei Jahre später.

Als mein Beichtvater bei meiner Schwägerin gesagt hatte, er ließe sich nie und nie mehr überführen, es sei nur Einbildung von mir oder der böse Feind, da fing meine Schwägerin an, mit aller Entschiedenheit sich die Unannehmlichkeit vom Hals zu schaffen, daß ich so manche Stunde mit diesem Leiden versäume, besonders in der Advents- und Fastenzeit, und tobte, wenn sie etwas an mir merkte, daß ich mir nicht mehr zu helfen wußte. Sie sagte, sie könne so etwas in ihrer Wirtschaft nicht brauchen, und für was sie solches dumme Zeug zu dulden brauche, wenn die Geistlichen nichts auf solche Dinge gäben, da brauche sie gewiß in ihrem Haus so was nicht zu leiden.

Wie oft mußte ich die Worte hören: „Pack dich aus dem Haus, denn du verdienst nicht das Wasser, das du trinkst, und doch war der Segen Gottes so sichtbar in der Familie, daß es, während es früher immer rückwärts, nun beständig vorwärts ging.

Am 1. Freitag im Advent wurde mir gesagt, daß kein Priester an mein Bett gehen werde, und ich müsse fünf Wochen zubringen ohne die heilige Kommunion. Und so warīs auch, denn ich war krank und konnte nicht in die Kirche. Alles Bitten war vergebens, kein Priester ging an mein Bett. Am letzten Freitag im Advent sagte die Stimme: „Bis übers Jahr, bis es Weihnachten wird, werde ich deine Schwägerin und deinen Beichtvater überführen.“ In diesem Augenblick sah ich meine jüngste Nichte, damals sieben Jahre alt, ein liebliches, blühendes Mädchen, auf der Totenbahre liegen, ganz weiß gekleidet und mit Blumen bedeckt. Meine andere Nichte sah ich zum Altar treten mit einem sehr anständigen jungen Mann, um sich trauen zu lassen. Als ich mich nach meiner Schwägerin umschaute, sah ich sie nicht, und hörte die Worte: „Bei dieser Nichte wirst du bleiben.“

Wenn ich im Laufe jenes Jahres an die Erfüllung dieser Verheißung dachte, mußte ich weinen, denn dieses Mädchen war mein und seiner Mutter Augapfel. Und wirklich: Zehn Tage vor Weihnachten kam sie aus der Schule und klagte über Kopfweh. Der Arzt erklärte es für Influenza, und es war Hirnentzündung dabei, und drei Tage vor dem Weihnachtsfest wurde sie begraben. Nun war meine arme Schwägerin überführt, aber mit welchem Verlust. Sie stand das Jahr vorher an meinem Bett, als ich es ihr sagte, daß ich ihren Liebling so gesehen hätte. Als ich es aber meinem Beichtvater mitteilte, daß jetzt das eingetroffen, was ich letztes Jahr ihm gesagt, antwortete er mir: „Wenn man dem Esel ein Buch vorlegt, trifft er auch manchmal einen Buchstaben a oder i.“ Deshalb glaube ich ganz fest, daß der liebe Gott meinen Beichtvater zu sich nahm, weil er es nie zugegeben hätte, daß jemand ein Wort erfahre.

Vor sieben Jahren wurde ich einmal nach Augsburg gerufen, weil man dort in der Familie meines Bruders ein neugeborenes Kind erwartete. Er hat Bäckerei und mehrere Dienstboten, da sollte ich den Laden versehen bis die Frau wieder gesund sei. Sie hätten es gar gerne gehabt, daß ich nicht so früh in die Kirche gegangen wäre, weil gerade um diese Zeit im Laden am meisten zu tun ist. Ich wollte aber doch kommunizieren, und da mußte ich früh in die N.-Kirche, denn sonst wurde keine Kommunion ausgeteilt. Ich war schon mehrere Wochen da, und das Kind war noch nicht zur Welt, und ich mußte oft hören, das viele Kommunizieren sei nicht gut, weil man wußte, daß ich deswegen so früh in die Kirche ging.

Einmal kam ich heim, da fielen mich beide an. Mein Bruder sagte: „Eben haben wir von dir gesprochen, du bist mir wirklich ein Rätsel. Du liefst von zu Haus weg und kümmerst dich gar nicht um dein späteres Schicksal. Du sorgst nicht für dein Fortkommen, ich glaub, du bist nicht recht gescheit.“ Dabei blickten sie beide mir prüfend in die Augen, um die Narrheit herauszulesen. Dies schmerzte mich sehr, denn ich wußte, daß ich um mein Glück kommen sollte, um die heilige Kommunion. Weil ich nun dachte, sie könnten am End recht haben, so ging ich an demselben Tag noch fünf Stunden von dort in meine Heimat, um das Verlangen nach der heiligen Kommunion zu unterdrücken, weil ich meinte, ich könnte mich am End daran gewöhnen, denn in meiner Heimat war kein Priester. Als ich aber fünf Tage dort war, zog mich eine solche Gewalt wieder nach A., daß ich in der Nacht aufbrach und zurückging. Am andern Morgen bei der heiligen Kommunion belohnte mir der Herr mein Verlangen nach ihm und half mir alle Schwierigkeiten überwinden, wie sehr er verlangt, daß wir ihn oft empfangen. Als ich von der Kommunionbank zurückgekehrt war, sagte eine Stimme in mir: „Geh hin und sage deiner Schwägerin, daß sie bald von ihren großen Beschwerden befreit werde. Sie werde einen kräftigen, gesunden Knaben gebären, den er aber bestimmt habe, dereinst Priester zu werden.“ Und als ich den ganzen Tag zögerte und nichts sagen wollte, wurde ich am Abend, wo ich eine Muttergottes-Gnadenkirche besuchte, noch einmal dazu aufgefordert. Die liebe Muttergottes sagte: „Was hat dir mein Sohn aufgetragen? Warum befolgst du es nicht? Geh nur hin und sag es deiner Schwägerin.“ Als ich heimkam, saß meine Schwägerin da und weinte. Sie hatte mein Gebetbüchlein in der Hand, in dem ein Brief meiner Klosterschwester lag, den sie eben gelesen hatte. Sie blickte mich an und sagte: „O glückliche Seelen, die ihr seid, du und Marie.“ Ich ging zu ihr hin und sagte, da die liebe Muttergottes sie selbst schon unterdessen umgestimmt hatte: „Sei zufrieden, auch dich hat der liebe Gott gerade so gern. Er läßt dir sagen, daß du bald entbunden wirst von einem gesunden, kräftigen Knaben, der aber einst Priester werden wird.“ Dies Kind kam am anderen Morgen zur Welt und ist jetzt an acht Jahre alt. 

Sein Vater erzählte mir an Ostern, daß er alle Freude an ihm habe, er sei in der Schule der fleißigste Schüler und brächte die besten Noten heim. Ein anderes Mal, als ich betete für meine Verwandten, wurde mir mitgeteilt, daß meine beiden Schwägerinnen in andern Umständen seien, aber daß die in A. sterben würde, wenn sie noch einmal gebären werde. Und es war so. Voriges Jahr brachte sie ein totes Kind zur Welt und starb bald darauf. Dieses Jahr 1896, als ich nach einem Besuch von A. zurückfuhr, weinte mein Bruder noch auf dem Bahnhof bei mir und sagte: „Hätte ich dir doch damals geglaubt, als du mir sagtest, ich solle mit meiner Frau ein jungfräuliches Leben führen, was hätte ich jetzt ein schönes Leben. Aber jetzt ist es geschehen.“
Erwähnen will ich noch, was ich von meinem Vater erfuhr, weil ich daraus lernte, wie beharrlich man beten müsse: Mein Vater war schon dreizehn Jahre tot. Die Mutter und wir Kinder hatten immer große Angst, ob er wohl gerettet sei, weil er so dem Laster der Trunksucht ergeben war. Er erkrankte an Lungenentzündung und starb schnell, doch versehen mit allen heiligen Sterbesakramenten. Wir waren immer ängstlich, ob er zur Gnade gekommen sei. Die Mutter betete jeden Abend mit uns für den Vater. Auch im Sommer bei der strengsten Feldarbeit durften wir Kinder nicht eher schlafen gehen, bis wir mit ihr für ihn den Rosenkranz gebetet hatten; im ersten Jahr nach seinem Tod, die übrigen nur im Winter. Wir Kinder wuchsen heran und ich hatte unterdessen schon den Entschluß gefaßt, nicht in den Ehestand zu treten und mein Leben Gott zu weihen, als im Jahre 1873, mehrere Stunden von meiner Heimat entfernt, die erste Mission, die ich erlebte, abgehalten wurde.

Ich war damals an 27 Jahre alt. Ich erbat mir von meiner Mutter die Erlaubnis, sie mitzumachen, und auch von meinem Beichtvater bekam ich Erlaubnis, während der Mission täglich die heilige Kommunion zu empfangen. Ich war voller Freude. Um ja meiner Mutter nicht lästig zu fallen, bat ich sie um 18 Kreuzer und einen Laib Brot. Ich hielt mit großer Innigkeit die Mission mit und weinte und betete unaufhörlich für meinen Vater. Ich hatte eine solche Gabe der Tränen in jener Zeit, daß ich täglich zwei Taschentücher durch und durch durchnäßte. Obwohl ich bei Verwandten hätte übernachten und essen und trinken können, schlug ich dies alles aus, und lebte von Wasser und Brot sechs Tage lang.

Die Nacht vor dem Schluß der Mission nahm ich mir vor, in der Kirche vor dem Heiligsten Sakrament zu bleiben, um die ganze Nacht zu beten und zu weinen. Ich verbarg mich in einem Stuhl. Es bemerkte mich niemand, und die Tür wurde geschlossen. Es war schon bitter kalt, weil die Woche vor Allerheiligen. Aber wie es mir scheint, verlangte der liebe Gott dies Opfer nicht von mir, weil er nie mehr fordert, als die Kräfte reichen. Gegen 11 Uhr nachts hörte ich auf einmal Tritte, die Schlüssel rasselten. Schnell schlüpfte ich wieder in meinen Winkel, aber zu meinem höchsten Leidwesen kamen die Leute gerade in meinen Stuhl und stießen laute Schreie aus, in der Meinung, es sei ein Gespenst und liefen der Kirchentür zu. Es war der Glöckner, der mit zwei Mädchen gekommen war, um noch einen Kranz an ein Bild zu hängen. Dieser faßte den Mut, noch einmal nachzusehen, und redete mich an. Ich sagte zur Ausrede, ich wolle niemand belästigen mit Übernachten und wolle deshalb in der Kirche bleiben. Der Mann sagte, es sei zu kalt, er werde mir schon für ein Logier sorgen, und gern oder ungern mußte ich mit ihm eine schöne Strecke durchs Dorf laufen, indem der Glöckner beständig rief: „Kein Platz mehr?“ Ich versetzte mich im Geist zur Heiligen Familie nach Bethlehem, wo sie abgewiesen wurde, denn wie dort hieß es überall: „Nein!“ Endlich erbarmte sich ein Mann und sagte: „Nun, wo meine andern sind, kann auch diese noch unterkommen. Komm nur.“ Ich trat in ein Kämmerchen, wo wir zum dritten auf einem Lager lagen. Ich konnte nicht schlafen.

Um die Mitternachtsstunde sah ich auf einmal, wie wenn eine Gestalt zur Tür hereinkäme und trete auf mich zu. Es war die liebe Muttergottes in einem ganz weiß wallenden Gewand. Mit der rechten Hand machte sie mir einen Zeigefinger, und ich erinnerte mich gleich, was sie damit meinte, denn ich hatte ihr versprochen, jeden Abend den Rosenkranz vor dem Heiligsten Sakrament für meinen Vater zu beten, was ich an jenem Abend unterlassen hatte, weil ich dachte, ich könne es nachts tun, und fing deshalb gleich an zu weinen, weil ich verstand, was sie meinte. Sie aber deutete mit der linken Hand in eine Entfernung. Ich schaute ihrer Hand nach, und schaute in eine weite Wildnis. Später wurde mir zu wissen getan, was diese Wildnis bedeutete. Weil mein Vater nämlich gar zu gern in lustiger Gesellschaft sich aufhielt, und sein Geld im Jubel verpraßte, mußte er so viele Jahre lang in der Einsamkeit schmachten. In dieser Wildnis war nichts zu sehen, als hie und da ein Dornstrauch. Hinter einem solchen Dornsträuchlein sah ich meinen Vater ganz nackt bis an die Lenden. Seine Farbe war eine bläuliche Totenfarbe, und die ganze Haut war ein Flecken am anderen, der eine größer, der andere kleiner. Die Hände hatte er fest ineinander gefaltet, wie gezwängt, und war abgemagert wie ein Totengerippe, wenn die Haut noch darüber ist. Ich erkannte ihn nur noch an seinen Zügen und an seinem Lockenhaar. Er sah mich so bittend an, daß ich weinte bis zum Tag.

Am Morgen fragte man mich, warum ich so geweint, aber ich verriet nichts, sondern suchte mir in aller Frühe einen Priester. Diesem sagte ich sofort meine Erscheinung. Er war sehr gerührt und sagte, das dürfe ich schon meiner Mutter sagen, und wir sollten für meinen Vater, der viel zu leiden haben müsse, etwas tun, besonders heilige Messen lesen lassen. Zum Schluß gab er mir die Versicherung als Priester, daß einmal eine Zeit komme, wenn ich so fortfahre wie bisher, an einem Tag, wo die Gnaden recht reichlich flössen, wie an einem Festtag oder bei einer Mission, wo er mir auch zeigen werde, ob mein Vater erlöst sei oder nicht. Bei diesem Wort hielt ich nun den lieben Heiland.

Wir ließen fünfundzwanzig bis dreißig heilige Messen lesen, und jedes Jahr hielt ich sehr strenge Fasten in der Allerseelenoktav bei Wasser und Brot, daß meine Kräfte ganz erschöpft waren, weil ich dabei streng arbeiten mußte. Trotz all der Tränen, die ich geweint, trotz all der Hitze der Feldarbeit, die ich ertrug, und ihm aufopferte, erfuhr ich nichts. So mußte ich von der Mission an noch zwölf Jahre bitten, also fünfundzwanzig Jahre waren verflossen seit dem Tode meines Vaters, und nur einmal hatte ich in der Zwischenzeit einen Trost. Dies war am 16. Juli 18, wo der Heilige Vater Pius IX. ein Jubiläum feierte und ein vollkommener Ablaß ausgeschrieben war.

Ich ging in eine andere Kirche, um die heiligen Sakramente empfangen zu können. Eine sehr fromme Jungfrau vereinigte sich mit mir, und wir beteten und flehten bis 1 Uhr nachmittags. Die Kirche war längst leer. Auf einmal sah ich vor mir zwei Gestalten: Die sel. Maria Margareta Alacoque und die liebe Muttergottes, die vor dem lieben Heiland knieten, gerade wie wir zwei. Die liebe Muttergottes sagte zu ihrem Sohn: „Mein lieber Sohn, gewähre ihr doch die Bitte und zeige ihr ihren Vater.“ Der liebe Heiland saß auf einem gar wunderschönen Thron und schaute gar freundlich auf die beiden herab, und er lächelte über die Bitte seiner Mutter, und sagte, indem er das Haupt schüttelte: „Die soll sich an ihre Sünden erinnern.“ Dabei aber sah ich im Hintergrund weit, weit hinten, vor mir meinen Vater, und das war für mich das Zeichen, daß ich noch viel beten müsse, bis er erlöst sei. Ich stand in der Mitte, vor mir die liebliche Erscheinung und weit, weit hinter mir mein Vater. Dies war das Zeichen, daß ich ihn noch befreien könne, daß es aber noch lang dauern werde, bis er zur seligen Anschauung würde übergehen.

So vergingen zwölf Jahre und ich kam nach Mainz. Als ich die neun Josefs-Mittwoche wieder mit großer Innigkeit abgehalten hatte, und an jedem meinen Vater empfahl, und den Herrn beständig daran erinnerte, daß das Wort des Priesters im Beichtstuhl sein Wort sei, also habe er mir das Versprechen gegeben, daß ich noch bei Lebzeiten erfahren werde, ob mein Vater erlöst sei, kniete ich am letzten Mittwoch lange, Stunde um Stunde, und weinte und flehte bis 10 Uhr, und sagte: „Heute gehe ich nicht aus dieser Kapelle, bis ich erfahren, ob mein Vater erlöst ist. Gewähre mir doch die Gnade. Liebe Mutter, um deiner Schmerzen willen, und du, heiliger Josef, um deiner Betrübnis willen, und um all der Liebe willen, die dein göttlicher Pflegesohn dir erwiesen, mußt du mir die Gnade gewähren, denn ich bin auch das Kind meines Vaters, und ich weiß, welche Peinen er erleidet. Ich gehe nicht von dieser Stelle, bis du ihn befreien wirst.“

Ich opferte unaufhörlich das kostbare Blut und alle heiligen Messen und Kommunionen usw. für ihn auf. Auf einmal sah ich meinen Vater auf mich zukommen, aber nicht mehr wie vor zwölf Jahren, abgemagert und bleifarben. Er war so schön, so jugendlich, so vollkommen am ganzen Körper und streckte mir die Arme entgegen, als wolle er mich umfassen. Nur an seinen Zügen und an seinem Lockenhaar konnte ich ihn wiedererkennen. Doch war seine Hautfarbe gelb, wie Wachs, auch fehlte ihm die Frische, und sein Blick war nicht ganz fröhlich, er hatte noch etwas Trauriges in seinem ganzen Wesen. Ich sagte dies meinem damaligen Beichtvater (7), so hätte ich meinen Vater gesehen. Er wies mich ganz derb ab und sagte, solche Dinge könne er nicht beurteilen. Ich war sehr unglücklich, und weinte die ganze Woche, weil ich dachte: „Wie kannst du arme Sünderin dir einbilden, du hättest eine Arme Seele befreit, wenn ein so frommer Priester und Ordensmann davon nichts weiß.“ Denn ich meinte, das könne jedem Menschen vorkommen.

Bei meiner nächsten Beichte sagte ich ihm, ich sei tief beschämt über die Worte, die er mir gesagt, und ich wisse nicht, ob ich noch weiter für ihn beten solle, und jetzt erst erzählte ich ihm den Vorgang vor zwölf Jahren. Darauf sagte er mir: „Du brauchst nicht zu zweifeln, daß es solche Dinge gibt in der heiligen Kirche. Ich bin aber noch ein junger Priester und ist mir noch nichts vorgekommen, aber nachdem, wie du mir die Erscheinung beschreibst, mußt du annehmen, daß deinem Vater noch das Kleid der Glorie fehlt. Du mußt also noch beharrlich beten, und ich verspreche dir, die ganze Woche dieses Anliegen in meiner heiligen Messe vorzubringen.“

So vergingen wieder acht Tage. Am ersten Sonntag ging ich früh in die Kirche und hörte alle heiligen Messen, die an jenem Morgen gelesen wurden, sieben bis acht, und betete unaufhörlich für meinen Vater. Nach der heiligen Kommunion rang ich mit dem lieben Heiland, und hielt ihn krampfhaft umfesselt. Damals hatte ich noch gar oft die große Gnade, seine Nähe nicht nur zu fühlen, sondern ihn auch zu schauen in sichtbarer Gestalt mit meines Geistes Augen. Ich hielt ihn so fest, und sagte: „Ich laß dich heute nicht, du mußt mir meinen Vater in den Himmel führen.“ Bei der letzten heiligen Messe fühlte ich einen solchen großen Schmerz in meiner Brust, ob von der übergroßen Anstrengung, oder ob es ein geistiges Leiden war, das ich für meinen Vater noch aushalten mußte. Als der Priester bei der heiligen Wandlung die Hostie emporhob, sah ich auf einmal auf der rechten Seite meinen Vater an den Altar treten, und so blieb er neben dem Priester stehen bis zur Kommunion. Als der Priester kommunizierte, sah ich meinen Vater in der heiligen Hostie, die der Priester empfing, verschmelzen. Die heilige Hostie und mein Vater waren verschwunden, und ich hatte eine solche überirdische Freude, ein solches Wonnegefühl, mit der Überzeugung, daß in diesem Moment mein Vater aufgenommen wurde in die himmlische Glorie, daß ich nicht dran zweifeln konnte. 

Dies ist mein Leben und einige Gnaden, die ich glaube, daß der liebe Gott sie in mir gewirkt hat, um mir zu zeigen, wie wenig ich getan, und wie vieles er; wie wenig er verlangt, und wie viel er gibt für das Wenige, das wir tun. Ich stelle alle Worte, die ich geschrieben, unter das Urteil derer, die dieses von mir verlangen. Finden sie nichts darin, das anderen Seelen nützen könnte, so werden sie die Schrift vernichten.

Als ich heute früh nach der heiligen Kommunion meine Danksagung verrichtete, und ganz besonders dem Heiligen Geist für all die Gnaden dankte, und dem lieben Heiland, daß er mich ganz besonders der Dritten Person in der Gottheit übergeben habe, daß ich sie ganz besonders verehren und anbeten solle, brachte ich ihm auch unter anderen Danksagungen meine Schrift zum Opfer dar, und dankte ihm für die liebevolle Leitung während des Schreibens, weil es mir oft vorkommt, als stehe jemand neben mir und diktiere mir die Worte, denn ich brauchte gar nicht nachzudenken, und bat ihn um seinen Segen.

Da hörte ich in meinem Innern die Worte: „Beunruhige dich jetzt nicht mehr und habe keine Angst, ob es Anerkennung finde oder ob die Schrift verworfen werde. Ich sage dir, daß es nicht verworfen wird, denn man wird nicht die Hand beachten, durch die die Gabe gereicht wird, sondern man wird auf den schauen, von dem sie ausfließt. Sage N., es sei besser, wenn die Schrift zusammen gedruckt werde, denn bruchweise könne man den Geist, der daraus spricht, doch nicht so recht erkennen. Und fürchte dich nicht mehr, daß du Schaden leiden könntest, denn wenn ich alle diejenigen retten will, die im Schifflein Petri sich befinden, auch wenn sie wenig darin tun, um wieviel mehr werde ich diejenigen retten, die sich bemühen werden, daß dieses Schifflein sich erweitere in den Wogen der Welt, und daß es verschönert werde, und dazu habe ich nicht nur berufen die Priester, Missionare und Ordensleute allein, sondern alle, die meiner Stimme folgen, und diese meine Liebe und Erbarmung, die ich ihnen zu erkennen gebe, durch meine Worte, auch auf andere zu übertragen suchen. Denn nicht nur im Anfang war es notwendig, daß meine Kirche sich ausbreite auf Erden, sondern das wird solang notwendig bleiben, als die Welt steht. Und wenn es je zu einer Zeit die Welt bedurfte, daß die Erde sich erneuere, so war es noch nie so notwendig wie in der jetzigen Zeit, wo selbst die Christen anfangen, ein neues Heidentum zu schaffen.

Barbara Weigand, Dienerin Gottes, im Jahre des Herrn 1896.“

 

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Barbara Weigand von Schippach

MEIN LEBEN FÜR GOTT

„Darum wurde ich vom Herrn aufgefordert niederzuschreiben,
wie solche Ungerechtigkeiten vom lieben Gott bestraft werden“.

„Wer es fassen kann, der fasse es.“
 

Beginn der handgeschriebenen Niederschrift MEIN LEBEN von Barbara Weigand:

Am 10. Dezember 1930 bin ich 85 Jahre alt.

Die vielen und großen Gnadenerweise Gottes, die ich Unwürdigste in diesen langen Jahren vom lieben Gott empfangen, mußten auf Befehl des hochwürdigsten Herrn Bischof in Mainz aufgeschrieben werden. Dieser hochwürdigste Herr Bischof war so überzeugt, daß es der liebe Heiland sei, Der in mir wirkt und spricht, denn er sagte zu Fräulein Hannappel (die in den Ekstasen alles aufschreiben mußte), „daß dies der Heiland ist, Der da wirkt und spricht, sehe ich ein. Wie können wir vor der Öffentlichkeit mit ihr landen? Es ist ja so ein armes, ungebildetes Bauernmädchen. Wir müßten uns ja schämen. Ich habe Theologie studiert und bin Bischof; wenn ich aber predigen will, muß ich mich erst darauf vorbereiten. Diese da hält eine Predigt, da kann der Theologe daran studieren. Das muß der Heiland sein.“ Ein anderes Mal sagte er zu meiner Freundin, Fräulein Hannappel: „Sie müssen Stenografie lernen, damit alles vom Mund weg kann aufgeschrieben werden. Ich will wissen, was dieser Geist eigentlich will.“ Er selbst kaufte ihr ein Buch zu diesem Zweck. Wieder einmal sagte er: „Schreiben Sie Ihrem Herrn Bruder nach Aachen“, der mein Seelenführer damals war, „ich erlaube ihm, er darf die Bücher überall verbreiten. Sie können nur Gutes stiften.“

Aber der Heiland verlangte die Einführung der täglichen heiligen Kommunion, damit die guten treuen Kinder einen Halt hätten, weil der Unglaube und die Gottlosigkeit immer mehr um sich greifen, auch Seine guten, treuen Kinder mit hineingezogen würden. Er Selbst müsse ihr Halt und ihr Führer sein. Aber da der hochwürdige Herr Bischof den Willen des lieben Heilandes nicht zu erfüllen sich Mühe gab, mußte ich ihm sagen: „Binnen einer Jahresfrist werde Ich ihn hinweg nehmen.“ Dies geschah buchstäblich! Im darauffolgenden Jahr vor Allerheiligen wurde ich zum ersten Mal vor ein geistliches Gericht gerufen und verhört, und in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen starb der hochwürdigste Herr Bischof Haffner.

Über 8 Jahre war Pater Alfons, Provinzial der Kapuziner in Mainz, wo ich 30 Jahre bei meinen Verwandten mich aufhielt, mein Beichtvater. Diesem mußte ich immer sagen, er möge doch dem hochwürdigsten Herrn Bischof Haffner sagen: „Der liebe Heiland verlange die Einführung der täglichen Kommunion“. Als er mir sagte: „daß dies der Heiland ist, Der in dir wirkt und spricht, das sehe ich auch. Aber wie viele, meinst du, sind hier in Mainz, die noch an so etwas glauben?

Hier glaubt man so etwas nicht mehr. Wir Kapuziner sind hier vom Ordinariat angenommen. Wenn ich nun käme, und wollte diesen Herren Vorschriften machen und sagen, Ihr müßt die tägliche Kommunion einführen – das kann ich nicht, und das darf ich auch nicht.“ Auf Befehl vom lieben Heiland mußte ich ihm dann sagen, daß er binnen einer Jahresfrist schwer gestraft werde, wenn er den Wunsch des lieben Heilandes nicht erfülle und es seinem Bischof nicht sage, daß der Heiland die öftere Kommunion eingeführt haben wolle. Was sich auch dann erfüllte. „Es wäre eine große Schande für seinen Orden, wenn es an die Öffentlichkeit gekommen wäre.“ Ein junger Pater verfehlte sich gegen die Sittlichkeit mit einem von unseren Dienstmädchen. Als ich ihm diese Schande mitteilte und ich ihm einen Brief, den dieser junge Pater an das Dienstmädchen schrieb, und meiner Schwägerin in die Hände kam, die ihn sodann aufmachte und mir zu lesen gab, ging ich ins Kloster und ließ Pater Provinzial rufen, gab ihm den Brief und sagte: Hochwürden, das ist Ihre Strafe, die der liebe Heiland vor einem Jahr ankündigte! Am darauffolgenden Sonntag predigte er noch einmal im Dom und Tags darauf kam der Hausbursche der Kapuziner und sagte in großer Aufregung: „Eben ist der Provinzial umgefallen beim Mittagessen und ist tot.“ Dr. Müller sagte zu meiner Schwägerin: „Ich habe gestern während seiner Predigt gemerkt, daß er nicht lang mehr mitgeht.“ Der Kummer brach ihm das Herz und die Voraussage des Herrn war erfüllt: „Binnen einer Jahresfrist wird er schwer gestraft sein.“

Bereits 6 Jahre war ich Beichtkind vom hochwürdigen Herrn Bischof Kirstein. Während dieser Zeit verlangte der Heiland einmal, daß der erste Freitag jeden Monats zu einem Gebetstag gemacht werde und Ihm dadurch Abbitte und Sühne geleistet werde. Dieses geschah auch. Hochwürdiger Herr Pfarrer Forschner gab seine Kirche dafür her, und es wurde den ganzen Tag abwechselnd darin gebetet. Abends kamen die Männer, wenn die Fabriken geschlossen waren, und die Kirche war dicht gefüllt mit Männern, und sie sangen und beteten, daß ich weinen mußte vor Freude. Aber das dauerte nur einige Monate.

In der Kirche St. Christoph predigte einmal ein Domkapitular. Ich saß gerade unter der Kanzel. Da sagte er: „Da kommt eine in unsere Stadt herein und will eine neue Herz-Jesu-Andacht einführen. Ihr Anhang wird immer größer. Ich sage Euch, meine lieben Zuhörer, bleibt von dieser Person weg. Die begeht Todsünde auf Todsünde. Die kommt aus der Todsünde nicht mehr heraus.“ Nach der Predigt kam eine Dame zu mir und sagte: „Was der Prediger sagte, das sind Sie gemeint, und lachte mir spöttisch ins Gesicht.“ Ich weinte Tag und Nacht.

In meiner Beichte sagte ich es dem hochwürdigsten Herrn Bischof: Sie wissen, hochwürdigster Herr, wer in St. Christoph die Abendpredigt hält“, und ich fragte: Ist es eine Todsünde, wenn ich glaube, daß der Heiland nicht nur mit Gott und für die Menschheit im Altarsakrament gegenwärtig ist, und daß Er aber auch die Macht hat, mit uns zu reden? Ist das eine Todsünde? „Nein“, sagte er, „tausendmal nein! Das ist keine Todsünde. Sie haben jetzt lange genug gegen Sie gepredigt, ich will Ihnen sagen, daß ich Ihr Bischof bin. Sie werden von jetzt an nichts mehr hören.“ Von da an hörte ich nichts mehr von der Kanzel herab.

Im Jahre 1905 ging mein hochwürdigster Herr Beichtvater, Bischof Kirstein, nach Rom und weilte dort 6 Wochen. Als er zurückkam, wurde von allen Kanzeln in Mainz verkündet, daß die öftere Kommunion eingeführt wird in der ganzen Welt. Wer sich frei von Todsünde hält, mag er verheiratet sein oder ledig, im Kloster oder in einem weltlichen Stand, kann mit Erlaubnis seines Beichtvaters alle Tage kommunizieren. Dies war 1905. 1906 bekam ich aber auch die Anweisung durch den Herrn, daß ich meinen geistlichen Vorgesetzten sagen muß: „Er verlange aber auch, daß die Menschheit Ihm ein Denkmal für die große Gnade, die Er ihr erwiesen hat durch die Einführung der täglichen heiligen Kommunion, und das soll sein in deinem Heimatdörfchen Schippach, eine Kirche! Arme Fischer habe Ich Mir erwählt zu Meinen Aposteln. Die unscheinbarsten Orte suche Ich Mir aus, wo Ich Meine Heiligtümer errichtet haben will. Keine Großstädte, wo die Menschen nur hingehen, um die Städte zu sehen.“

Mein hochwürdigster Herr Beichtvater, Bischof Kirstein, sagte mir: Alles, was in mir vorgeht in den Ekstasen, soll ich ihm aufgeschrieben zuerst bringen. Dies befolgte ich auch. Aber nur einmal sagte er mir:

„Ich habe ihre Sachen gelesen, und gut durchgelesen, und habe es zu den übrigen Akten gelegt.“ Als ich aber sonst niemals mehr eine Antwort von ihm bekam, war ich sehr ängstlich. Und als ich nun einmal wieder einen Auftrag bekam vom lieben Heiland, sagte ich: Mein Herr, Du siehst ja, daß mein hochwürdigster Herr Beichtvater mir auf alles, was Du mir gesagt, gar keine Antwort gibt, suche Dir doch eine andere Person, eine Klosterfrau oder einen Priester, wo es auch angenommen und gelesen wird. Da gab Er mir zur Antwort: „Ja, es ist wahr! Die beiden Ordinariate Mainz und Würzburg wollen Meinen Geist in dir austreiben. Ich lasse Mich aber nicht austreiben.“

Die öftere Kommunion war in der ganzen Welt eingeführt und der Kirchenbau war genehmigt von der geistlichen und der weltlichen Obrigkeit, und 1914 wurde angefangen zu bauen. Alles Material zum Kirchenbau war da und so viel Geld kam aus aller Herren Länder, daß die Kirche und sogar ein Kloster dazu gebaut hätten können und alles wäre davon bezahlt worden. 1916 an Mariä Himmelfahrt wurde ich ins Pfarrhaus gerufen und wurde mir gesagt: Der Kirchenbau ist verboten, die Kirche darf nicht gebaut werden. So liegt bis heute der Trümmerhaufen dort. Das Geld ist 1924 durch die Inflation verfallen; vieles Material wurde gestohlen und der schöne Kirchenbau wäre, wie der Architekt zu meinem Bruder sagte, in nur noch zwei Monaten unter Dach und Fach gestanden, statt dessen liegt, zum Ärgernis aller guten Gläubigen, die ihr sauer erspartes Geld dazugegeben hatten, alles in Trümmern.

Ein sehr frommer und gelehrter geistlicher Herr sagte einmal zu mir:

„Die Verantwortung, die derjenige auf sich hat, der schuld ist, daß der Kirchenbau verboten wurde, möchte ich nicht auf mir haben.“ Darum wurde ich aber auch innerlich aufgefordert niederzuschreiben, wie solche Ungerechtigkeiten bestraft werden vom lieben Gott.

In Mainz ließ einmal Generalvikar Engelhart ein Dienstmädchen zu sich kommen, das ihm alle Dienstmädchen angeben mußte, die mit Barbara Weigand verkehren. Alle diese Dienstmädchen bekamen eine Zuschrift von ihm, daß sie an dem Datum, das der Generalvikar angab, bei ihm zu erscheinen hätten, um etwas zu unterschreiben. Zwei Tage vorher, wo er die Dienstmädchen bestellt hatte, sagte er abends zu seinen beiden Dienstmädchen: „Ich will mir ein Bad nehmen“. Der Generalvikar Engelhart ging in sein Badezimmer und kam nicht zurück. Als die Mädchen nachsehen wollten, wo ihr Herr so lange bleibt, lag er in seiner Badbütt und war tot. Und an dem Tag, wo er die Dienstmädchen zu sich bestellt hatte, wo sie ihm unter einem Handgelübde versprechen sollten, daß sie mit der Barbara Weigand nicht mehr verkehren dürfen, war sein Begräbnistag.

Das Buch, das von einem Würzburger Geistlichen (Dr. Vitus Brander ) geschrieben wurde, war auch in Mainz sehr verbreitet worden. Zwei Mainzer Domkapitulare machten sich daraufhin auch daran, ähnliche Schriften zu verfassen. Der Herr Domkapitular Fecher wurde eines Tages von Herrn Domkapitular Landig zurechtgewiesen mit den Worten: „Ich sage Dir, laß Deine Hand davon, haben wir nicht schon alles getan, um diese Sache zu unterdrücken? Ist es von Gott, machen wir nichts daran, ist es nicht von Gott, wird es in sich selbst zerfallen. Laß Deine Hand davon!“ Zwei Tage danach mußte Herr Domkapitular Fecher in einer Kutsche ins Spital überführt werden, weil er schwerkrank war. Seine Haushälterin besuchte ihn alle Tage. Am letzten Tag, wo sie ihn besuchte, sagte er zu dem Mädchen: „Maria, bleibe diese Nacht bei mir, ich fühle, daß ich diese Nacht sterbe.“ Die Haushälterin blieb die Nacht bei ihm. Von Zeit zu Zeit habe er immer einen tiefen Seufzer geholt und gesagt mit lauter Stimme: „O der gute Landig, der allein hat mich davor zurückgehalten, wie dankbar muß ich ihm dafür sein.“ Acht Tage nach seinem Begräbnis kam seine Haushälterin sehr aufgeregt zu meiner Freundin, Fräulein Hannappel und sagte: „O Fräulein, mein Herr war heute Nacht bei mir. Es war ein Gepolter im Hause, als würden alle Möbel durcheinander geworfen, ich konnte nicht schlafen. Auf einmal stand mein Herr da vor meinem Bett, die rechte Hand erhoben und sagte: „Schau her, meine Hand“, und sagte: „Bete, bete viel für mich! Ich habe viel zu leiden“, und verschwand. Seine Hand sei ganz schwarz gewesen, wie schwarze Kohlen.

Im Oktober 1925 kam ein Brief von Fräulein Hannappel an mich, wo sie mich bat, doch nach Mainz zu ihr zu kommen. Sie habe mir eine Mitteilung zu machen, die sie sehr beunruhige. Als ich zu ihr nach Mainz kam, erschrak ich, als ich ihr ins Gesicht schaute. Sie sah aus, als hätte sie eine schwere Krankheit durchgemacht. Ich sagte: Ei Luischen, was siehst Du so schlecht aus, was ist denn mit Dir? Sie erzählte mir nun, daß hochwürdigster Herr Generalvikar Dr. Selbst sie hätte rufen lassen, um etwas zu unterschreiben. Als sie in sein Zimmer eingetreten sei, sah sie neben ihm auf seinem Tisch einen großen Haufen geschriebener Schriftstücke und Dr. Selbst hätte zu ihr gesagt: „Sehen Sie, Fräulein Hannappel, sehen Sie: diese Schriften werden wieder in die Welt hinaus und an die Front für die Soldaten zum Lesen geschickt“; es war doch in den Kriegsjahren 1914-1918. „Ich will doch einmal sehen, ob das Schippach nicht zu vernichten ist.“ Dabei legte er Fräulein Hannappel eines der geschriebenen Hefte auf den Tisch, und sagte: „Dieses müssen Sie unterschreiben. Es handelt und ist darin aufgezeichnet, daß die vielen Bücher, die überall verbreitet und gelesen werden, nicht von Barbara Weigand, sondern von Luise Hannappel diktiert und aufgeschrieben sind, wollen Sie das unterschreiben?“ Fräulein Hannappel fuhr den Herrn Generalvikar Dr. Selbst an, und sagte: „Herr Generalvikar, wollen Sie mich zu einer Lüge zwingen, das ist doch gelogen.“

Der Generalvikar antwortete: „Wollen Sie unterschreiben oder nicht?“ Darauf Fräulein Hannappel: „Ich unterschreibe nicht! Ich war 900 Mal dabei, wo unser lieber Heiland durch Barbara Weigand gesprochen hat, und Sie wollen mich zu der größten Lüge zwingen, die auf der Welt je begangen würde?“ Darauf der Generalvikar: „Wollen Sie dies Schriftstück unterschreiben oder nicht? Tun Sie es nicht, dann werden Sie aus der Kirche ausgeschlossen.“ Bei dieser Drohung fuhr Fräulein Hannappel zusammen. Sie hatte nämlich fünf Geschwister, die Ordensleute waren, eine davon sogar Generaloberin in Amerika und die in Amerika allein neunundzwanzig neue Ordenshäuser gegründet hat. Als der Kulturkampf in Deutschland wütete, war Schwester Bernada Oberin in dem Franziskaner Kloster Nonnenwert und mußte mit ihren Töchtern nach Amerika flüchten. Um ihren Geschwistern diesen Schmerz zu ersparen, entschloß sich Luise Hannappel, die größte Lüge (sie hätte die Bücher diktiert) zu unterschreiben, sagte aber zu dem Generalvikar Dr. Selbst:

„Ich unterschreibe, aber Sie haben die ganze Verantwortung.“

Als Fräulein Hannappel unterschrieben hatte, brachte der Generalvikar seine Schriften in die Dombuchhandlung und sagte zu dem Buchhändler dort: „Die Schriften sofort abdrucken lassen. Sie werden wieder in alle Welt hinaus gesandt. Das Schippach muß mit aller Energie verfolgt werden.“ Vier Tage danach kam der Buchhändler heim zu seinem Dienstmädchen in die Küche und sagte: „Denk dir, Generalvikar Dr. Selbst ist gestorben.“ Da sagte das Dienstmädchen: „Herr, wo ist jetzt seine Energie, mit der er die Sache von Barbara Weigand verfolgen und vernichten wollte! Dieser Generalvikar Selbst war der größte und stärkste Mann, wie ich im Leben keinen zweiten kennengelernt und gesehen habe. Er muß an einem Schlaganfall gestorben sein.“ Seine Putzfrau war zu jener Zeit im 5. Stock des Hauses, oben im Speicher, beschäftigt, da hörte sie seine Stimme: „Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner.“ Dieser entsetzliche Angstschrei war sein letztes Wort. Diese Putzfrau war auch die Putzfrau von Fräulein Hannappel, der sie das Geschehene alles erzählte.

Unter der Regierung des hochwürdigsten Herrn Bischof Brück mußte ich mich einmal vier Wochen zu einer Prüfung in das Kloster der Göttlichen Vorsehung zurückziehen. Alle Freitage, sobald die Ekstase auftrat, mußten die Oberin des Klosters, ein Arzt und zwei Priester, Pater Bonifaz, der damals mein Beichtvater war, hochwürdigster Herr Professor Hubert und die Oberin des Klosters, Schwester Sebastiane, zugegen sein. Außer diesen vier Personen durfte sonst niemand dabei sein. Einmal an einem dieser Freitage kam kein Priester, keine Oberin, nur der dazu bestimmte Arzt Dr. Ebner, zu mir. Dieser trat an mein Bett, und sagte:

„Heute bin ich Ihr Vorgesetzter. Ich bin auch vom hochwürdigsten Herrn Bischof dazu bestimmt.“ Ja, sagte ich, was wollen Sie denn?

„Alles, was ich von Ihnen verlange, müssen Sie tun“, sagte er mir sodann. Dabei trat er zurück an die Türe, hob die rechte Hand in die Höhe und schrie: „Aufschauen!“ Ich schaute auf und sah in seiner Hand ein gelbes Blech. „Mich anschauen“, schrie er wieder. Ich schaute ihn an und erschrak, als ich diese Augen sah. Es schien, als wollte er mit diesem Blick mich durchbohren. Ich rief die liebe Mutter Gottes um ihren Beistand an und meinen heiligen Schutzengel, denn ich dachte, er wolle an mir seine Wollust ausüben. Da war es, als wenn mich zwei Hände erfaßten und drehten mir den Kopf um, ganz nach dem Rücken. „Wollen Sie den Kopf umdrehen“, schrie er wieder. Ich tat alles, um den Kopf ihm wieder zuzuwenden. Aber alles war umsonst. Der Kopf stand wie in Eisen hineingezwängt. Er sprang an mein Bett und er faßte mit beiden Händen den Kopf und wollte ihn umdrehen. Alles vergebens. Der starke Mann hatte mich aus dem Bett herausgerissen. Aber den Kopf konnte er nicht umdrehen. Ich fing an zu weinen, weil ich glaubte und dachte, wie unglücklich bist du jetzt, wenn ich den Kopf gar nicht mehr umdrehen kann.

Nun sah er doch ein, daß hier eine höhere Gewalt obwalte, und daß er hier nicht ausführen kann, was er im Sinn hatte.

Über meinem Bett hing ein Bild an der Wand, die Heilige Familie (die Oberin sagte mir später, es sei vom Heiligen Vater selbst geweiht. Ihr Hausgeistlicher habe es ihr von Rom mitgebracht). Dieses Bild riß der Arzt von der Wand und legte es mir auf die Brust. In dem Augenblick durchwehte meinen ganzen Körper ein so wohliges Gefühl, und ich konnte augenblicklich den Kopf wieder umdrehen. Als der Arzt dieses Wunder sah, merkte er, daß hier eine höhere und stärkere Hand walte, als die seine. Er hängte das Bild wieder an seinen Platz und deckte mich schön mit meiner Bettdecke zu, und sagte: „Heute habe ich Sie müde gemacht. Schlafen Sie jetzt“, und lief zur Tür hinaus. Als der Arzt fort war, fing ich an zu weinen, weil ich überzeugt war, daß der liebe Gott ein Wunder wirkte. Den nächsten Tag erfuhr ich erst, was Dr. Ebner an diesem Tag mit mir machen wollte. Er wollte mich hypnotisieren. Dies sei Zauberei und wäre eine Todsünde für jeden Katholiken, der sich damit abgibt. Deswegen blieben an diesem Tag die Oberin und die zwei Priester weg. Als der Doktor zur Tür hinaus war, kamen die Priester und die Oberin. Und als sie mich so bitterlich weinen sahen, fragten sie:

„Warum weinen Sie so sehr?“ Ich sagte: Wo waren Sie heute? Sie sind vom H. H. Bischof dazu gestellt. Warum lassen Sie den Doktor allein?

„Was wollte er denn mit Ihnen machen?“, sagte sie. Die beiden Priester und die Oberin wußten wohl, daß der Arzt an diesem Tag mich hypnotisieren wollte. Weil es eben streng von der Kirche verboten ist, gingen sie nicht in mein Zimmer, bis der Doktor fort war.

Hören wir nun aber auch, wie sie für ihre Feigheit und Menschenfurcht Gott bestrafte.

Vor meiner Entlassung aus diesem Haus kam eines Tages Herr Professor Hubert und ließ mich und die Oberin ins Sprechzimmer rufen. Hier wurde ich über alle Zustände hin und her ausgefragt. Dann sagte er:

„Fräulein, wir alle sind fest überzeugt, daß ihre Sache ganz übernatürlich ist. Es ist auch Natürliches dabei. Das ist eben bei allem so. Auch bei den größten Heiligen kommt dies vor.

Die heilige Katharina von Siena sagt gerade das Gegenteil, was die heilige Brigitta sagt. Bei ihrer Seligsprechung wurde dies beanstandet. Eines von beiden könne nicht echt sein. Und da habe der Heilige Vater den Ausspruch festgelegt: Dies läßt der liebe Gott zu, damit die Menschen die Privatoffenbarungen nicht über die stellen, die Sein Sohn uns überliefert oder diesen gleichstellen. Ihre Sache ist ganz übernatürlich.“ Als aber vom geistlichen Gericht beschlossen war, mich als hysterisches Weib zu erklären, reiste Professor Hubert ab. Und ich glaube, daß er dies tat, weil er seinen Namen nicht unter dieses Resultat schreiben wollte und sich selbst Lügner strafen wollte, da er doch zu mir gesagt hatte:

„Wir sind alle überzeugt, daß Ihre Sache ganz übernatürlich ist.“ Beide Priester wurden irrsinnig und starben 1918 im Oktober. Der eine in Davos in der Schweiz, der andere in einer Irrenanstalt in einer Stadt am Rhein.

Solange ich in diesem Kloster eingesperrt war, durfte kein Mensch mich besuchen, und ich durfte nur in die heilige Messe und kommunizieren, und sonntags um 11 Uhr kam mein Beichtvater und hörte meine Beichte. Am letzten Sonntag vor meiner Entlassung sagte mir der Beichtvater, es war Pater Bonifazius: „Hören Sie einmal: heute müssen Sie mir versprechen, daß Sie kein Wort sagen, was man mit Ihnen hier in diesem Haus gemacht hat. Unter einer Todsünde verbiete ich es Ihnen.“ Ich mußte ihm unter einem Handgelübde versprechen, und nochmals sagte er: „Jedesmal begehen Sie eine Todsünde, wenn Sie ein Wort sagen, was man hier mit Ihnen gemacht hat.“ Ich gab ihm ein Handgelübde, und er entließ mich. Das war eine harte Zeit für mich. Ich weinte Tag und Nacht. Mein ganzes Wesen sträubte sich, ob ich nicht zu einem anderen Beichtvater gehen solle. Ich fing eine neuntägige Andacht an und bat um Erleuchtung.

Am letzten Tag bei meiner heiligen Kommunion sagte ich: „Lieber Heiland, sag mir doch, zu welchem Beichtvater ich jetzt gehen soll.“ „Zu Pater Bonifaz!“, war die Antwort. Ich bereitete mich vor, stand auf und kniete mich an seinem Beichtstuhl. Er muß selbst erschrocken sein, denn er fragte mich: „Was wollen Sie?“ „Ich will beichten,“ sagte ich und fing an, meine Sünden zu bekennen. Als ich damit fertig war, fing er an und sagte: „Jetzt aber sag ich Ihnen: bleiben Sie bei Ihrer Überzeugung! Es ist der Heiland, der in Ihnen wirkt und spricht. Bleiben Sie bei Ihrer Überzeugung, und wenn alle Bischöfe und ganz Deutschland gegen Sie gehen. Bleiben Sie bei Ihrer Überzeugung, und wenn alle Teufel aus der Hölle gegen Sie gehen.“ Und er gab mir die Absolution, und ich blieb sein Beichtkind, bis der liebe Gott Selbst eingriff. Pater Bonifazius hatte eine Schwester, die sich auch in Mainz aufhielt. Wegen Geisteskrankheit kam dieselbe in das kleine Krankenhaus zu den Schwestern der Göttlichen Vorsehung. In einer Nacht stieg diese Person auf den Speicher und hob sich ein Dachfenster auf und stürzte sich durch das Fenster auf das Straßenpflaster, brach sich das Genick und wurde tot aufgefunden. Es kam aber nicht an die Öffentlichkeit und sie wurde begraben, als sei sie einen gewöhnlichen Tod gestorben. Dieser Vorfall mag auch dazu beigetragen haben, daß Pater Bonifazius in einem Irrenhaus sterben mußte.

Nach meiner Entlassung aus dem Kloster der Schwestern der Göttlichen Vorsehung wurde Professor Hubert zum Direktor der Schwestern der Göttlichen Vorsehung erhoben und Schwester Sebastiane, die seitherige Oberin, wurde zur Generaloberin gemacht. Diese Schwester Sebastiane mußte mich Tag und Nacht überwachen, solange ich zur Prüfung in ihrem Kloster bleiben mußte. Sie mußte mir das Essen bringen, und von meinem Zimmer ging eine Tür in ein anderes Zimmer, wo nachts die Tür halb offen stand und ich von Zeit zu Zeit hörte, daß jemand in diesem Zimmer sich aufhielt. Ich öffnete bei Tag die Türe und sah nach. Da stand ein Bett da. Ich nehme an, daß Schwester Oberin sich da aufhalten mußte, weil der hochwürdigste Bischof zu mir sagte:

„Die Oberin, Schwester Sebastiane, wird Tag und Nacht um Sie herum sein. Mit ihr können Sie sich über alles aussprechen.“ Einmal kam sie in mein Zimmer, wo ich da saß und weinte. Sie fragte: „Warum weinen Sie!“ Ich sagte: „Liebe Schwester Oberin, als die Vorladung kam, daß ich auf vier Wochen mich in Ihr Kloster zu einer Prüfung begeben mußte, lag meine Schwägerin im Sterben. Der Arzt und die Krankenschwester sagten beide, sie sei verloren, sie würde sterben. Hier sitze ich und weiß nicht, ob sie noch lebt, oder sie schon gestorben ist, und meine Nichte muß sich mit ihren Dienstmädchen nun allein um alles kümmern. Und hier? Man macht doch, was man will! Ich hatte auch schon gehört, daß man bei mir alles für Hysterie erklären wollte, was dann auch geschah. Als hysterisches Weib mußte ich das Haus verlassen.

„Liebes Fräulein“, sagte die Oberin, „wenn man Ihre Sache verwerfen wollte, müssen wir alle Legenden der Heiligen auf den Scheiterhaufen werfen und verbrennen. Ihre Sache ist ganz übernatürlich. Ich hole Ihnen ein Buch von der heiligen Luitgard. Da lesen Sie andere Sachen wie bei Ihnen. Was da drinnen steht, würde heute in Deutschland nicht mehr geglaubt werden.“ Sie gab mir das Buch zum Lesen, und ich dachte oft beim Durchlesen: Schwester Sebastiane hat recht, wenn sie sagt: So was glaubt man bei uns Deutschen nicht mehr.

Als aber die Prüfung abgeschlossen wurde und jeder von denen, die der hochwürdigste Herr Bischof zu dieser Prüfung zugesellt hatte, sein Urteil abgeben mußte, sagte diese Oberin: „Ich nehme an, daß diese Barbara Weigand eine solche hochmütige Person ist, daß sie sich einbildet, sie sei eine Heilige.“ Das war Mutter Sebastiane, die zu mir gesagt hatte:

„Wenn unsere geistlichen Vorgesetzten Ihre Sache verwerfen, müssen wir alle Legenden der Heiligen verbrennen.“

Und hören wir aber auch weiter: Zwanzig Jahre, nachdem ich in Mainz diese Zeitperiode durchzumachen hatte und ich in meine Heimat zurückgekehrt war, bekam ich einen Brief von Fräulein Hannappel. Sie lud mich ein, nach Mainz zu kommen. Eine Schwester von der Göttlichen Vorsehung wolle mich einmal sprechen. Ich reiste sofort nach Mainz ab und Fräulein Hannappel ging mit mir zu Schwester Luzina, die Oberin im Marien-Hilf-Stift war, und diese erzählte mir: „Es sind jetzt zwanzig Jahre her. Ich war damals als Novizin noch im Kloster, wie Sie bei uns vier Wochen eine so harte Prüfung zu bestehen hatten. Wenn unsere Oberin uns Schwestern alles erzählte, wie der Dr. Ebner mit Ihnen umgeht, weinten wir Schwestern alle mit ihr. Und dieselbe Oberin gibt am Schluß der Prüfung ihr Zeugnis dahin ab, sie nehme an, die Barbara Weigand bildet sich ein, sie sei eine Heilige. Nun sollen Sie aber wissen, wie dieselbe von Gott gestraft wurde. Als Generaloberin bekam sie auf einmal eine Krankheit, die kein Arzt in der ganzen Stadt Mainz ergründen und heilen konnte. Sie aß nicht mehr, sie fraß. Ihr Leib bekam einen Umfang, daß die Schwestern zwei Betttücher zusammennähen mußten, um den dicken Körper bedecken zu können. Sie schrie und machte einen solchen Spektakel, daß man sie in den 4. Stock in ein Dachstübchen verbringen mußte. Liebes Babett‘chen, ich wäre sehr begierig zu sehen, was sie machen würde, wenn Sie sie sehen würden. Gehen Sie doch einmal mit mir, ich will Sie hin begleiten.“ „Ach nein, sagte ich, Schwester Luzina, hingehen will ich nicht. Ich verzeihe allen, die mir Unrecht getan. Und der liebe Gott soll ihr beistehen, aber sehen will ich sie nicht.“ Die Ärzte nannten ihre Krankheit Elefantiasis. Sie ist aber vor einigen Jahren gestorben.

Jetzt will ich noch den unvorhergesehenen Tod von Fräulein Hannappel beifügen. Im Jahre 1923 im Oktober, wo sie vom Generalvikar Dr. Selbst gezwungen wurde zu unterschreiben, daß sie die Schriften der Barbara Weigand nicht nur aufgeschrieben, sondern auch diktiert hätte, ich möge doch nach Mainz zu ihr kommen, sie hätte etwas tun müssen, was sie sehr beunruhigen würde. Ich reiste von Aschaffenburg nach Mainz und sie erzählte mir, wie hochwürdigster Herr Generalvikar sie gezwungen hatte, zu unterschreiben, daß sie (selbst) die Bücher nicht nur geschrieben, sondern auch diktiert hätte. Sodann im November ging es mit ihr immer schlimmer und am 15. Dezember, nachmittags 5.00 Uhr, war sie tot. Als sich in der Stadt verbreitete, daß Fräulein Hannappel im Sterben liege, füllte sich das Haus mit Freundinnen. Der hochwürdigste Herr Bischof Hugo war doch 3 ― Jahre mein Seelenführer und ließ mir durch seine Schwester sagen, ich solle ganz von ihrem Bett wegbleiben und nur in ein Nebenzimmer gehen, was ich befolgte. Da kamen die Mädchen in mein Zimmer, und sagten: „Gehen Sie doch einmal hinein zu ihr. Sie sagt in einem fort, das ist eine Strafe.“ Sie meinte damit, ihr Tod sei eine Strafe. Ich ging an ihr Bett. Da streckte sie die Arme nach mir aus, schlang sie mir um den Hals und zog mich an sich. „Babett‘che, es ist eine Strafe“, und sonst kein Wort, als „es ist eine Strafe.“ Dann sagte sie dreimal „Jesus, Jesus, Jesus“, und hauchte ihre Seele aus.

Nach ihrem Begräbnis ließ mich der hochwürdigste Herr Bischof Hugo in seinen Palast rufen und sagte: „Sie bleiben in meiner Diözese und gehen mit H. H. Pfr.. nach Kelsterbach,“ was ich auch tat. Da kam bald ein Brief von Mainz. Da schrieb man mir: „Jetzt wissen wir auch, warum Fräulein Hannappel in ihrer Sterbestunde immer sagte: „Es ist eine Strafe“. Sie mußte sterben, weil sie sich vom Generalvikar Dr. Selbst zwingen ließ, die Lüge zu unterschreiben, sie habe die Bücher diktiert. Möge doch in unserem armen Deutschland das übernatürliche Glaubensleben mehr geübt und gepflegt werden.“

In Eibingen sagte der Bischof von Limburg: „Warum haben wir in unserem Vaterland seit zweihundert Jahren keine Heiligsprechung mehr? Ich will euch sagen, warum: Wo eine Seele auftaucht, die mehr betet, die heiligen Sakramente mehr empfängt als gewöhnliche Christen, da wird sogleich zusammengedrückt von allen Seiten und beschworen, sowas darf nicht aufkommen! Ich sage Euch, meine lieben Herren Pfarrer: geht in Eure Pfarrgemeinden zurück und führt das übernatürliche Glaubensleben wieder ein. Dann bekommen wir auch wieder Heilige.“

Im Jahre 1916, als der Kirchenbau schon verboten war, wollte ich zu meinem Bruder nach Aschaffenburg. Als ich in Obernburg umsteigen mußte, kam ein vornehmer Herr auf mich zu, und sagte: „Frau, Sie kommen von Schippach, nicht wahr?“ Ich sagte: „Ja, ich bin von Schippach.“ Da fing er an: „Frauchen, ich habe heute die Reise von Würzburg nach Schippach gemacht, um mir den Kirchenbau einmal anzusehen. Was für eine Schmach, diesen Kirchenbau zu verbieten, der so weit schon ausgebaut und so notwendig für Rück-Schippach gewesen wäre. Ich und meine Freunde in Würzburg freuten sich, und wir sagten uns: Da gehen wir oft hin, da haben wir in unserer Diözese eine schöne Erholung in den Spessartwäldern und auch eine Labung für die Seele. Frau, wenn Sie zurückkommen, gehen Sie zu Ihrem Bürgermeister und sagen ihm, er soll zwei Männer nach Würzburg schicken zum hochwürdigsten Herrn Bischof und sagen: Hochwürdigster Herr Bischof, wir verlangen, daß die Kirche in Schippach fertig gebaut wird.
Als wir am Südbahnhof anlangten, sagte ich: „Ich danke Ihnen, mein Herr, für Ihre lehrreiche Unterhaltung. Ich will Ihnen auch sagen, wer ich bin. Mein Name ist Barbara Weigand, ich bin die Person, die diesen Kirchenbau befördert und das Geld herbeigeschafft hat. Man hat mich als hysterisch erklärt und deswegen wurde der Kirchenbau verboten.“ Da fuhr der Herr zusammen, und sagte: „Sie sind diese Barbara Weigand?“ Ich sagte: „Halten Sie mich für ein solches Weib?“ „Nein, tausendmal nein, Sie sind also diese Barbara Weigand, von der mir Herr Ulrich aus, der mit mir eine Reise nach Jerusalem machte und mir viel erzählte von dem Kirchenbau in Schippach und auch von Ihnen. Er sagte mir: „Sie ist eine ganz einfache, bäuerliche Person, aber charakterfest und fromm.“ Ich erzählte dies, als ich zurückkam nach Schippach unserem Herrn hochwürdigen Herrn Pfarrer. Der sagte zu mir: „Wissen Sie auch, wer dieser Herr war? Dies war der Herr Oberpräsident von Würzburg, der war an diesem Tag auch hier in Schippach.“

In Würzburg wurde vor Jahren die St. Albanus-Kirche gebaut. Als sie fertig war, ging ich zum hochwürdigsten Herrn Bischof und sagte: „Bischöfliche Gnaden, für die neue Pfarrei der Albanus-Kirche, bitte nehmen Sie den Hochwürdigen Herrn Pfarrer.. Dieser war nämlich ein frommer, seeleneifriger Priester. Da sagte Herr Bischof zu mir: „Das kann ich nicht, da warten schon ältere Pfarrer darauf.“ „Herr Bischof“, sagte ich, „wer zahlt, darf auch mitreden. Wer hat den Kirchenbau bezahlt? Ich verlange, daß dieser Kaplan Pfarrer in dieser Pfarrei wird.“

Ich glaube ganz sicher, daß wir in Deutschland die Zustände nicht hätten, wie sie jetzt anstehen, wenn man den vom Heiland verlangten Kirchenbau nicht verhindert hätte. Alles Material war da und war bezahlt. Und so viel Geld kam aus aller Herren Länder, daß wir zwei Kirchen hätten bauen und bezahlen können. Von 1916 bis 1924, wo der Staat bankrott war, wäre die schöne, große Kirche innerlich und äußerlich ausgebaut gewesen, und der Heiland würde darin angebetet. So wahr es ist, daß Er durch mich Armseligste die Einführung der täglichen Kommunion verlangte, so wahr ist es aber auch, daß Er diesen Kirchenbau verlangte. Diese Kirche soll stehen bis zum Ende der Welt als Warnungstafel für die, die es wagen wollen, an dem Kommuniondekret von Papst Pius X. zu rütteln. Aber auch als Siegeszeichen für jene, die ein gutes Werk fördern und errichten wollen und dafür verfolgt und unterdrückt werden, daß: Wenn sie ausharren und ihr Vertrauen auf Mich setzen, Ich es doch noch zum guten Abschluß führe. Ja, mein Herr und mein Gott, auch ich setze mein ganzes Vertrauen auf Dich. Du wirst meine geistlichen Vorgesetzten noch einsehen lassen, daß es ein Unrecht war, den Kirchenbau zu verbieten und mich als hysterisches Weib und als Ketzerin zu beurteilen. Ich bin ein armes, sündiges Menschenkind, wie wir alle. Aber eine Ketzerin und ein hysterisches Weib bin ich nicht. (Hochwürdiger Herr Dr. Vitus Brander schreibt nämlich in seinem Buch: sie hört Stimmen, aber was für Stimmen; Männerstimmen hört sie). Ein solcher Theologe, der eine Seele so beurteilt, die er gar nicht kennt, vor allen Menschen, die dies lesen in seinem Buch. Herr verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit. Amen.

Nachtrag: Heute Nacht fiel mir noch ein, daß ich ein paar wichtige Punkte aufzuschreiben habe: Als der hochwürdigste Herr Bischof Haffner von Mainz Fräulein Hannappel gesagt hatte, sie soll ihrem Bruder, dem Guardian im Kapuzinerkloster in Aachen schreiben, er dürfe die Schriften von Barbara Weigand überall verbreiten, nur nicht in Mainz, weil er mit seinem Domkapitel nichts zu tun haben wolle, tat er dies dann auch. Die Schriften wurden von anderen abgeschrieben und verbreitet und überall gelesen.

So kam eines Tages ein Herr aus Köln und wollte mich sprechen. Dieser geistliche Herr war Professor an der Universität in Köln und seine Ferienreise war des öfteren auch nach Mainz, um mich zu besuchen. Einmal reiste er sogar nach Schippach, um den Bauplatz zu sehen. Ein Verwandter von ihm war mit ihm gleichen Ranges und auch angestellt an der Kölner Universität. Der erste, von dem ich sagte, daß er mich oft besuchte, wurde weiterbefördert von hochwürdigsten Herrn Erzbischof, seinen Vetter. Und dies erregte Neid und Eifersucht bei seinem Vetter und so schwärzte er ihn beim Erzbischof so sehr an, daß dieser diese Verleumdung auch glaubte. Professor N.N. (die Namen will ich nicht nennen) wurde abgesetzt von seiner Stellung, bekam kein Gehalt mehr und wäre auf die Straße gesetzt gewesen, wenn er nicht mit seiner Schwester im eigenen Haus hätte wohnen können.

Von 1900 bis 1903 war ich in Rück bei meiner verheirateten Schwester, deren Mann schon jahrelang gestorben ist und die krank war. Da hörte ich einmal eine innere Stimme, die mich aufforderte, sofort einmal nach Mainz zu gehen. Ich fragte meine kranke Schwester, ob sie mir erlaube, einmal einige Tage nach Mainz zu gehen. „Ei ja“, sagte sie, „Valentin (ihr Sohn) wird ein paar Tage dann den Haushalt besorgen können.“

Ich reiste ab. Kaum war ich in Mainz bei Fräulein Hannappel angekommen, als mit mir zugleich obengenannter Professor aus Köln auch ankam. Ins Zimmer eingetreten, fing der gute, früher hochangesehene geistliche Herr so bitterlich zu weinen an und unter lautem Schluchzen erzählte er die unglückliche Lage, in die er versetzt sei durch die boshafte und ungerechte Verleumdung seines Vetters. Und er erzählte: Es war in den Kriegsjahren 1914, wo alle Lebensmittel so teuer waren. Da er gar kein Gehalt mehr bekam, müsse er mit Rucksack auf dem Buckel in Bauerndörfer herum, um für sich und seine Schwester Brot, Kartoffel und Gemüse zusammenzubetteln, um nicht verhungern zu müssen. Und wir beide weinten mit ihm. Und Fräulein Hannappel gab ihm auch einen Zehrpfennig mit..

Alle Tage betete ich für diesen Priester, daß der liebe Gott doch seine Unschuld an das Tageslicht fördern möge, und daß er standhaft bleibe in seinem Vertrauen auf Gott. Ich reiste anderen Tages wieder ab. 1915 bekam ich einen Brief von der Generaloberin in Untermarchtal (Württemberg). Sie schrieb mir: „Ich will Ihnen zu Ihrem Kirchenbau in Schippach auch Tausend Mark beisteuern, aber sie müssen dieselben bei mir persönlich abholen.“ Ich reiste hin in ihr Kloster und mußte einige Wochen dort bleiben, weil sie mich auch in einige ihrer auswärtigen Klöster schicken wollte. Ich mußte in der Schweiz eines ihrer Klöster besuchen, und als ich von dort zurückkam, sagte sie: „Die Schwester vom hochwürdigsten Herrn Bischof von Rottenburg war bei mir, und sagte, Sie möchten doch auch bei ihr einige Tage in Stuttgart, wo sie zwei Klöster zu verwalten hatte als Oberin, bleiben. Auf meiner Rückreise in die Heimat stieg ich in Stuttgart ab und blieb zwei Tage dort. Am ersten Tag, als ich in der Klosterkirche die heilige Kommunion empfangen hatte, kam ich in Ekstase. Da sagte mir der liebe Heiland: „Was Ich dir jetzt sage, schreibst du auf und übergibst den Brief der Oberin, daß sie den Brief ihrem Bruder, dem Bischof von Rottenburg, schicken soll.“

Dann fing der Heiland an zu reden: „Es ist ein Mißstand eingerissen in Meiner Kirche, der beseitigt werden muß. Wenn ein Priester bei seinem Bischof verklagt wird über einen großen Fehler, den derselbe begangen haben soll, soll der Oberhirte den Angeklagten nicht eher bestrafen, bis er auch untersucht hat, ob der Angeklagte auch den Fehler begangen. Denn gar oft steckt Neid und Eifersucht dahinter und der unschuldig verleumdete Priester kommt in eine Situation, die ihn zum Abfall von seinem heiligen Glauben bringt. Diese Mißstände müssen beseitigt werden. Ehe der Oberhirte den Angeklagten bestraft, muß er erst genaue Erkundigungen sich bei anderen einholen, die beide Priester kennen.“

Die Oberin nahm den Brief und schickte ihn ihrem hochwürdigsten Bruder nach Rottenburg. Zwei Monate nach diesem Vorgang kam obengenannter Professor nach Mainz und brachte mir und meiner Freundin die freudige Botschaft, daß er wieder in seinem Amt sei. Sein Erzbischof habe den Ankläger entlarvt.

Als ich einmal aus der Kirche von Schippach von der heiligen Messe herauskam, kam ein geistlicher Herr auf mich zu, und sagte: „Nicht wahr, Sie sind doch Fräulein Barbara Weigand?“ Er hat, wie mir scheint, im „Engel“ (Gasthaus in Schippach, das auch noch dem Namen nach existiert) übernachtet. Ich sagte: „Ja, ich bin Barbara Weigand.“ Sodann sagte er: „Bitte, wollen Sie nicht mit mir in das Gasthaus? Ich möchte Sie einmal sprechen.“ Ich sagte: Hochwürdiger Herr, wenn Sie mich sprechen wollen, gehen Sie lieber mit mir in meine Wohnung, und deutete auf unser Haus, ich gehe mit Ihnen ins obere Zimmer, da können Sie ungenierter sprechen, als in einem Wirtshauslokal. Er ging mit mir, und ich führte ihn ins obere Zimmer und wir setzten uns beide an den Tisch. Er fing an zu sprechen, und sagte: „Ich habe eine weite Reise gemacht, um mit Ihnen einmal sprechen zu können. Länder und große Städte habe ich durchreist.“ Dann fing er an, allerlei Fragen an mich zu stellen, die ich ihm beantworten mußte. Auf einmal sprang er auf und streckte beide Arme in die Höhe und rief:

„Fräulein, ich bin verdammt. Ich bin verdammt“, schrie er dreimal, und ein Strom von Tränen stürzten aus seinen Augen. Ich stand und drückte ihm die ausgestreckten Arme herab, und sagte: Hochwürdiger Herr, Sie sind nicht verdammt. Sie sind Priester, und als solcher wissen Sie noch besser als ich, daß, solange der Atem ein- und ausgeht, kann der Mensch noch gutmachen, wenn er auch tief gefallen sein sollte.

Wir sind alle Menschen. Auch der Priester ist ein Mensch. Haben Sie einen großen Fehler gemacht, den Sie sich schämen, zu beichten in ihrer nächsten Umgebung, dann sage ich Ihnen: Sie sagten vorhin, daß Sie Länder und Städte durchgereist hätten, um zu mir zu kommen. Ich bitte Sie, Hochwürdigster Herr (an seinem Hut erkannte ich den Bischof, ich war 30 Jahre in Mainz. Wenn der Bischof mitunter auch schwarz wie andere Priester gekleidet ist, am Hut erkennt man ihn), wenn Sie auf Ihrer Rückreise nach Aschaffenburg kommen, fragen Sie nach dem Kapuzinerkloster und beichten dort Ihren Fehler, den Sie sich zu beichten schämen in Ihrer Umgebung. Hier kennt Sie ja niemand, und Sie können glücklich und zufrieden in ihre Heimat zurückkehren. Und als die Zeit zur Abfahrt mit dem Zug nach Aschaffenburg war, stand er auf, ging rückwärts, um mir ins Gesicht sehen zu können, und weinte, daß die Tränen an den Kleidern herunter flossen. Und so dastehend, streckte er noch die beiden Arme an der Türe aus und führte sie in einem Bogen um sich herum, und sagte: „Fräulein, ich habe viele, viele Seelen zu verwalten, ich empfehle sie alle Ihrem Gebet. Besonders aber mich, beten Sie viel für mich.“ Ich begleitete ihn an die Bahn. Als er mir die Hand zum Abschied reichte, liefen die Tränen ihm nochmals über die Wangen.

Zwei Jahre darauf kam ein Brief, aber keine Stadt, kein Land und kein Name war genannt, nur: „Liebes Fräulein, vor zwei Jahren kam ein Priester vom Gasthaus „Zum Engel“ auf Sie zu, als Sie aus der Kirche in Schippach heraustraten. Der Priester bin ich. Ich habe Ihren guten Rat befolgt und bin wieder glücklich und zufrieden. In meinem ganzen Leben sind Sie in mein Gebet eingeschlossen.“ Punktum: kein Name, keine Stadt und kein Land war genannt. Er mußte doch ein sehr frommer Bischof gewesen sein, sonst hätte er seinen Fehler nicht so beweint.

Nach dem Krieg kam 1918 der Herzog von Mecklenburg-Schwerin mit seiner Gemahlin und Bedienung zu hochwürdigen Herrn Pfarrer Nöth nach Schippach und ließen mich ins Pfarrhaus rufen. Die Herzogin war eine Nichte vom Kaiser von Österreich und der Herzog vom deutschen Kaiser Wilhelm ein Bruder. Die Herzogin war gut katholisch und der Herzog Protestant und Großherzog, und weil dieser Großherzog katholisch wurde und auch seine Kinder katholisch taufen ließ, wurde der Großherzog vom Kaiser Wilhelm, seinem Bruder, abgesetzt und sein jüngerer Bruder wurde Großherzog. Zur Strafe, weil er katholisch wurde. Doch hatte der Kaiser erklärt: „Wenn sein Sohn volljährig sei, werde dieser wieder zum Großherzog vom Kaiser ernannt.“ Als dieser Sohn aber 18 Jahre alt war, ließ der Großherzog seinen Neffen umbringen. Dies geschah in den Kriegsjahren 1914 bis 1918. Als der Herzog vom Krieg zurückkam, fing er mit seinem Bruder einen Prozeß an, denn er hatte Zeugen, die dies beschwören konnten. Der Großherzog hatte im Prozeß angegeben, ihr Sohn hätte sich selbst das Leben genommen. Und da sie auch von dem Verkehr des Heilandes mit mir gehört hatten, reisten sie zusammen hierher und Hochwürden Pfarrer Nöth mußte mir im heiligen Gehorsam befehlen: Der Heiland solle mir mitteilen, ob sie den Prozeß mit dem Großherzog gewinnen oder nicht. Hochwürden Pfarrer Nöth mußte anderen Tags in Schippach um die Mittagszeit die heilige Messe lesen, und ich sollte mit den beiden Herzogsleuten sprechen und den Heiland fragen, ob ihr Sohn verdammt sei, der doch so meuchelmörderisch umgebracht wurde, und ob sie den Prozeß mit dem Großherzog gewinnen würden. Darauf bekam ich vom lieben Heiland die Antwort:

„Verdammt ist ihr Sohn nicht, hat aber ein langes Fegefeuer wegen seiner Jugendsünden zu erleiden. Aber Ich verspreche dem Herzog und seiner Gemahlin, wenn sie den Prozeß fallen lassen, weil wieder viel unschuldiges Blut fließen würde, Ich sofort ihren Sohn aus den Peinen des Fegefeuers zu befreien“, was sie dann auch versprachen.

Bei ihrem Abschied schenkte mir die Frau Herzogin ihren Mantel. An der Bahn Rück und Schippach wollten die hohen Herrschaften noch einmal mich sehen. Vor all den Leuten umarmten mich beide, der Herzog und seine Gemahlin, und der Herzog sagte laut: „Wir kommen noch einmal zu Ihnen.“ Als sie aber nach Aschaffenburg kamen, ließen sie sich das Schloß und die Kirchen, besonders die Stiftskirche, vom hochwürdigen Herrn Stiftspfarrer zeigen. Dieser fragte die hohe Herrschaft:

„Woher habe ich denn die große Ehre, eine Herzogsfamilie in unserer Stadt und sogar in meiner Kirche zu sehen?“ Der Herzog sagte ganz laut, daß mein Bruder, der mit dabei stand, es auch hörte: „Wir waren in Schippach und haben die Barbara Weigand einmal aufgesucht.“

„Ei was“, sagte der Stiftspfarrer, „die Barbara Weigand haben Sie besucht? Das ist alles Schwindel. Das hätten Sie nicht tun sollen. Das ist ja von der kirchlichen Obrigkeit verworfen usw.“

„O armes, armes Deutschland, kehre endlich zurück zu einem übernatürlichen Glaubensleben! Dann bekommen wir auch wieder Heilige“, sagte der hochwürdigste Herr Bischof von Limburg in seiner Predigt in Eibingen bei der Feier des 500-jährigen Jubiläums der heiligen Hildegardis, deren Gebeine in jener Kirche aufbewahrt und verehrt werden.“

Ende der handgeschriebenen Niederschrift „MEIN LEBEN“ von Barbara Weigand. Es wurden von uns keinerlei Veränderungen in diesem handschriftlichen Schriftstück vorgenommen. Die Red.

 

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Barbara Weigand im Urteil von Bischöfen und Priestern
Lebensbeschreibung Barbara Weigand
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Wo bleibe ICH nun, euer HERR und GOTT?
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Rundbrief zum 70. Todestag
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